Wir hörten uns auf seinem Transistorradio Rock 'n' Roll an und tranken traurig unseren Portwein. Wir waren beide verzweifelt. Ich wusste auch nicht, was er jetzt mit dem Rest seines Lebens anfangen sollte. Im Radio sangen die Beach Boys ein Lied über die Mädchen Kaliforniens. Seine Augen waren feuchte, gekränkte Teppiche."

Was sind das für Menschen, die den Songs der Beach Boys verfallen sind?

Dauerbraungebrannte Schöne oder liebeskranke Verlassene wie hier in Richard Brautigans großer Kurzgeschichte Pazifisches Radiofeuer, in der Surf-Songs zum Synonym für vergangenes, ehemals endloses Glück werden? Was sind das für Lieder, die uns selig lächelnd in Cabrios versetzen? 95 Prozent der Befragten dürften - "inside-outside" summend - Surfing USA nennen, - "ba-ba-ba" - Barbara Ann oder - "goodgood" - Good Vibrations brummen. Unbestreitbar grandios, und doch gibt es ein Leben nach der Party. Voll glücklicher Melancholie.

Den selten gehörten Spätsommer-Songs verschreibt sich eine Anthologie aus Cover-Versionen, die von den deutschen aficionados Stefan Kassel und Frank Lähnemann zusammengestellt wurde - Caroline Now! The Songs Of Brian Wilson And The Beach Boys -, und unversehens wird diese Hommage zu einem Original.

Als hätten sie jahrelang darauf gespart und gewartet, singen die musikalischen Gäste über Almost Summer, von Wind Chimes, Rainbow Eyes, Big Sur und Only With You - Liebeserklärungen, zwischen Unschuld und Raffinesse spielend.

Brian Wilsons Kompositionen und die Werke seiner Beach Boys sind Große Klassische Amerikanische Musik, verdanken den A-cappella-Sätzen Palestrinas, den innigen Melodien Mozarts und den Klangfarben Gershwins mehr als dem Schweiß des Rock 'n' Roll ... sollte man einfach so hinschreiben, um den Leuten die Ohren zu öffnen. Oder sich auf Brian Wilson beziehen: "Manche Menschen halten Sex für die größte Erfahrung. In meinem Fall ist es eher die Musik."

Caroline Now! vereint neben den Legenden Chip Taylor, Eric Matthews, Alex Chilton und Kim Fowley vorwiegend musikalische Nichten und Neffen, vom zerbrechlichen Klingklang übers stimmlich Spröde zum handfest Barocken - Gefühlsverwandte aus dem Katalog der Szene. Es ist also auch ein Führer durchs eigene Label (Marina Recordings MA 50, Vertrieb: EFA), ein Garant für Pop: Jeder Augenblick wird zum ewigen erklärt.