Es hätte eine Erfolgsgeschichte werden sollen. Daher vergaß die frisch gewählte rot-grüne Bundesregierung 1998 auch alle Einwände, die sie vor der Wahl gegen die von der Regierung Kohl durchgesetzte Liberalisierung des Strommarktes vorgebracht hatte. Tatsächlich schien der erhoffte Wettbewerb ja auch zu funktionieren: Die Strompreise sanken, die Verbraucher freuten sich - und Schröders Mannschaft war zufrieden.

Inzwischen steigen die Strompreise wieder - und die Stimmen derer mehren sich, die sich im Wettbewerb von den Altmonopolisten behindert fühlen. Denn was der frühere Wirtschaftsminister, Günter Rexrodt (FDP), nicht wollte, lehnte auch sein Amtsnachfolger, der parteilose Werner Müller, ab: eine Regulierungsbehörde für den Strommarkt. Die Folge: Der Wettbewerb findet de facto nur auf dem Papier statt (ZEIT Nr. 36/00). Erst in der vergangenen Woche beschwerte sich Carsten Knauer, Vorstandschef der Riva Energie AG, einer Tochter des US-Energiekonzerns Sempra. Ihm schwant, dass "in absehbarer Zeit" mehr als die Hälfte der neuen Stromanbieter aus dem Markt ausscheiden wird. Der Grund: Ohne sich um geltendes Recht zu scheren, verweigern viele Exmonopolisten den Newcomern den Zugang zum Stromnetz oder verlangen dafür überhöhte Gebühren, die konkurrenzfähige Preise nicht zulassen. Bisher zeigte sich Wirtschaftsminister Werner Müller immer resistent gegenüber der Forderung nach einem Schiedsrichter, der für Fairness sorgt.

Doch jetzt wächst der Druck auf den Minister. Gleich drei Newcomer wollen in der kommenden Woche für ihre Sache streiten. Die Allianz für mehr Wettbewerb ist ungewöhnlich, denn mit Yello-Strom gehört nicht nur derjenige Neuling dazu, der mit einer frechen und sündhaft teuren Werbekampagne für den meisten Wirbel auf dem Strommarkt sorgte. Zwei der drei Streitbaren sind pikanterweise obendrein Tochterunternehmen von Exmonopolisten: Yello gehört der Energieversorgung Baden-Württemberg (EnBW), der Mitstreiter best energy ist zur Hälfte im Besitz der Berliner Bewag. Dritter im Bunde ist der Hamburger Ökoanbieter LichtBlick.

Man habe den Wirtschaftsminister bereits angeschrieben und erklärt, wie der Wettbewerb behindert werde, sagt Henning Borchers, der Geschäftsführer von best energy. Weil eine Antwort auf das Schreiben ausblieb, gehen die drei Newcomer jetzt in die Offensive: Yello, LichtBlick und best energy werden einen Regulierer fordern, eine neue Instanz, die - ähnlich wie die Behörde am Telefonmarkt - über den Wettbewerb wacht. Ob Minister Müller diesmal reagiert? vo/bro