Wie eine Klassikerausgabe - schlicht ausgestattet, exzellent gedruckt, gut in der Hand liegend -, so präsentiert sich das Gesamtwerk des Kunstkritikers Albrecht Fabri, der vor zwei Jahren in Köln, wo er 1911 geboren wurde, hochbetagt starb. Den Status eines Klassikers seiner Zunft hat Fabri freilich nie angestrebt, im Gegenteil, er tat alles, um vom Kulturbetrieb nicht als Meinungsmacher vereinnahmt zu werden. Denn Meinungen hielt er für den Ausdruck intellektueller Mediokrität. Erfolg wies er ab durch den Eigensinn, mit dem er strenge Begrifflichkeit und poetische Metaphorik, objektive Beschreibung und subjektive Wahrnehmung ranggleich zur Geltung brachte.

Die lustvolle, bisweilen auch lustvoll angestrengte Verquickung von sinnlicher Erfahrung und rationaler Erkenntnis hat sich Fabri für seine Arbeit insgesamt zum Prinzip gemacht. "Man muß denken, um zu fühlen", heißt es dazu in einem seiner frühen Texte. "Erst durch den Gedanken wird das Gefühl seiner selbst ansichtig." Und weiter: "Man hat genau so viel Gefühl, wie man Sprache hat." Das Gefühl ist demnach der sprachlich konkretisierte Gedanke

aber auch umgekehrt gilt, dass der Gedanke im sprachlich konkretisierten Gefühl sich vergegenwärtigt und Dauer gewinnt.

Von dieser Einsicht hat sich Albrecht Fabri bei seiner langjährigen Auseinandersetzung mit Werken der Kunst und Literatur durchweg leiten lassen, und durchweg hielt er an seiner Einsicht fest, wonach es nicht in erster Linie auf Inhalt oder Aussage ankomme, sondern auf die selbst tragende Materialität, die spezifische Machart solcher Werke. "Für den Schriftsteller jedenfalls ist die Welt Syntax", notierte Fabri 1954 in einem poetologischen Entwurf. "Er untersucht und erforscht sie in den Strukturen seiner Sätze.

Indem eine Sprache entsteht für sie, entsteht sie selbst. Sie ist also Sprache

das Wort verhält sich zur Welt nicht als Etikett, sondern die Welt zum Wort als Antwort."

Diese Auffassung korrespondiert offenkundig mit der ästhetischen Theorie des russischen Formalismus und insbesondere des französischen Strukturalismus.