Sind die Berliner komplett verrückt geworden? Erst wollte das Finanzministerium das Internet-Surfen am Arbeitsplatz besteuern, nun droht angeblich aus dem Justizministerium - so schrieb es zumindest eine aufgeregte Berliner Lokalpresse - eine "Abgabe auf Computer und Internet". Das klang so überzeugend, dass sich FDP-Fraktionsvize Rainer Brüderle ebenfalls sofort erregte: Der böse Finanzminister Eichel wolle nur wieder seine Kassen füllen.

Das Internet hat offenbar ziemlich viele Retter in der Welt der Medien und der Politik.

Dabei ging es diesmal um eine Abgabe, von der das Finanzministerium keinen Pfennig sieht: Die Urheberrechte von Künstlern, Musikern und Journalisten sollen nach den Plänen von Justizministerin Herta Däubler-Gmelin besser geschützt werden als bisher. Wer Leerkassetten kauft oder im Copyshop ein Buch kopiert, muss schon heute Betreiberabgaben zahlen. Das ist auch richtig so, denn anders lassen sich die Rechte von Künstlern kaum schützen. Die Idee für einen Erfolgssong oder für eine amüsante Kurzgeschichte sind nun mal geistiges Eigentum der Erfinder - wer daran teilhaben will, soll dafür zahlen.

Je einfacher und populärer es wird, auf der Festplatte Musik-Datenbanken zu speichern, Melodien oder Comic-Figuren als E-Mail-Anhang zu verschicken oder ganze Bücher einzulesen, desto selbstverständlicher müssten die neuen Urheberabgaben eigentlich sein. Bleiben die Berliner bei ihren Plänen, erweisen sie sich deshalb nicht als Technik-Muffel. Im Gegenteil: Alles spricht für einheitliche Regeln innerhalb und außerhalb der Welt des Internet.