die zeit: Sie verdienen Ihr Geld mit dem Zählen von Gänseblümchen. Wie geht das?

Herbert Targan: Wenn ich Blümchen zähle, dann sind es keine Gänseblümchen, sondern Pflanzen wie die Bocksriemenzunge. Nur bei gefährdeten Arten, die auf der Roten Liste stehen, wird manchmal so ein Aufwand getrieben. Sonst liste ich nur die verschiedenen Arten auf, etwa bei der Kartierung von Biotopen oder bei Gutachten über Schutzgebiete.

zeit: Können Normalsterbliche mit den Ergebnissen Ihrer Arbeit etwas anfangen?

Targan: Die Kartierung eines Biotops ist für Laien schon zu verstehen. Leider denken viele bei einem Biotop nur an einen Tümpel mit Fröschen. Dabei sind auch Hecken, blumenreiche Wiesen und alte Bäume schutzwürdige Lebensräume für Flora und Fauna. Prüfungen auf Umweltverträglichkeit sind ebenfalls nachvollziehbar. Jeder versteht, dass eine Straße nicht durch ein Flachmoor gebaut werden muss, wenn man die Trasse über den benachbarten Maisacker führen kann.

zeit: Wie kamen Sie zu dem Beruf?

Targan: Ich habe Biologie studiert und mich auf Pflanzensoziologie spezialisiert. Damit Geld zu verdienen, habe ich zunächst gar nicht erwartet.

Aber vor 10 bis 15 Jahren gab es einen regelrechten Naturschutz-Boom. Viele Bundesländer führten flächendeckend Biotopkartierungen durch. Und in der Landschafts- und Verkehrsplanung wurden zunehmend Fachgutachten gefordert.