die zeit: In den vergangenen Monaten waren die Denkmalpfleger harscher Kritik ausgesetzt, heftig wurde über Sinn und Praxis ihrer Arbeit gestritten.

Ist der Denkmalschutz nicht mehr so uneingeschränkt wichtig wie noch vor 20 Jahren?

Jörg Haspel: Die Zustimmung zu unseren Anliegen ist doch breiter denn je. Am letzten Wochenende etwa kamen zum Tag des offenen Denkmals über 3,5 Millionen Menschen. Dennoch müssen wir die kritischen Stimmen ernst nehmen, gerade dort, wo sie eine mangelnde Dialogbereitschaft zwischen Denkmalbehörden und Bürgern beklagen. Manchmal entsteht offenbar der Eindruck, dass Denkmalpfleger nur Konservatorenlatein reden oder bloß die Ansprache ans Denkmal pflegen, statt dieses für die Menschen zum Sprechen zu bringen.

Gelegentlich haben wir über die Optimierung restaurierungstechnischer Spitzenstandards und die denkmalwissenschaftliche Spezialisierung offenbar das Gespräch mit unseren gesellschaftlichen Auftraggebern vernachlässigt.

zeit: Wie ließe sich das ändern?

Haspel: Verstärkt müssen Denkmalpfleger auch verständnisvolle Berater sein, sie dürfen sich nicht auf die Rolle des Denkmalexperten oder gar des Vollzugsbeamten von Denkmalschutzgesetzen reduzieren lassen. Sie sollten sich die Zeit nehmen können, um mit Eigentümern ausführlich ihre Denkmale zu begehen und besonders erhaltenswerte Merkmale zu erläutern. Nur so kann der Funke der eigenen Begeisterung überspringen, denn die Begegnung mit dem authentischen Geschichtszeugnis hat halt mehr Charme als der Ablehnungsbescheid einer Behörde. Dazu gehört auch, dass finanzielle Zwänge der Eigentümer oder persönliche Härten von uns wahrgenommen werden. Statt nur nein zu sagen, sollten wir für unsere Partner auch gute Kompromisse anbieten können.

zeit: Soll aus dem Pfleger ein Manager werden? Haspel: Die Mentalität in manchen Amtsstuben darf sich verändern in Richtung verstärkter Beratung und Dienstleistung. Das heißt nicht, dass Denkmalpfleger zu Denkmaldevelopern mutieren. Doch sollten sie angesichts eines erheblichen Denkmalleerstandes auch schon bei der Entwicklung von Nutzungs- und Finanzierungskonzepten mitwirken können. So haben wir in Berlin für über ein Dutzend denkmalgeschützter Umspannwerke gemeinsam mit dem derzeitigen Eigentümer, der Bewag, eine Publikation erarbeitet, die sowohl Immobilienexposé als auch Denkmalkatalog ist. Bereits im Vorfeld der Vermarktungsphase haben wir also mit dem Denkmaleigentümer kooperiert, statt abzuwarten, bis ein denkmalunverträglicher Umbau- oder Abrissantrag kommt. Was wir mehr denn je brauchen, ist also auch eine vorbereitende Denkmalpflege.