Noch in seiner Rücktrittserklärung bleibt sich Steffen Heitmann treu. Der gewesene sächsische Justizminister meint, seine Amtsführung sei in "unerträglicher Art und Weise" angegriffen worden, das lasse er sich nicht länger bieten. Über eigene Fehler verliert er kein Wort.

Irgendwelche Selbstzweifel haben den einstigen CDU-Kandidaten für den Bundespräsidentenposten nie geplagt - egal ob er mit erzkonservativen Ansichten zu Frauen, Familie und deutscher Geschichte provozierte oder Kritiker ihn mahnten, die Unabhängigkeit der Justiz nicht auszuhöhlen. Doch vor zwei Wochen kam der Nachweis, dass es Heitmann mit der Gewaltenteilung nicht so genau nahm: Auf Bitten eines Parteifreundes hatte er ein Ermittlungsverfahren beschleunigt, damit das Ergebnis noch vor einer CDU-Klausurtagung vorliege. Wieder reagierte Heitmann trotzig, und sein Ministerpräsident Biedenkopf stärkte ihm bis zuletzt sogar noch den Rücken.

Während und nach der Revolution von 1989 hat sich Heitmann Verdienste erworben. In seiner Rücktrittserklärung betont er, "über zehn Jahre meiner Lebenskraft in den Aufbau rechtsstaatlicher Verhältnisse im Freistaat Sachsen investiert" zu haben. Aber begriffen hat er den Rechtsstaat bis heute nicht.

alf