Das Schöne am Trend sind die Vibes von Wellness, die er uns spendiert: Man kann im Trend liegen wie weiland auf dem Sofa und später auf dem Streckbett Le Corbusiers. Wer mit dem Strom schwamm, musste sich immerhin noch über Wasser halten. Doch wer voll im Trend liegt, dem kann nichts passieren: Der Zeitgeist fächelt ihm Coolness zu, und nur gelegentlich bellt ihn ein neuer Trendsetter an: Couch-Potato! und ein noch neuerer: Mouse-Potato!

Der Trend ist gewissermaßen die VIP-Lounge des Global Village, aber hinein kommt man nur, wenn man seine Sprache, den New Speak, versteht. Wer zwischen Rappen und Raven, zwischen Lifestyle und Life-Sciences, zwischen Tattoo und Temptoo nicht zu unterscheiden weiß, sollte sich lieber an Schlagertexte oder ans Plattdeutsche halten. Dabei bietet jeder Tag Trainingseinheiten in Trend-Talk. Schon der Werbeprospekt, der morgens aus der Zeitung fällt, kann als Etüde dienen: Crossdressing, Modern Retro und Easy-Style. Dagegen ist Dandy-Look eine alte Klamotte.

All denen, die die Welt nicht mehr verstehen, weil sie von Trendsettern und Trendscouts jeden Tag neu erfunden und benannt wird, kommen zwei Vokabelhefte fürs virtuelle Überleben zu Hilfe: Das neue Trendwörterbuch des Bertelsmann Lexikon Verlages und Das Wörterbuch der Szenesprachen aus dem Dudenverlag, das sich selbst, trendig genug, Szene-Duden nennt. Und für den, der mitreden will oder einfach Lust auf neue Wörter hat, sind beide zunächst einmal eine Fundgrube.

Bertelsmann macht uns schon auf dem Umschlag mit Girlie und Freeclimber, mit Name-Dropping und Eyecatcher, mit Hyperlink und Brain-Drain an, aber auch Eat-Art und Profiler fehlen nicht. Nur dass der Herausgeber Sebastian Loskant wohl bestallter Feuilletonredakteur in Münster ist (wo man sich doch sonst eher um Bibelhandschriften kümmert), wirft einen leichten Schatten auf die Mondänität des Unternehmens. Sein Trendlexikon gibt sich denn auch fast bieder, um nicht zu sagen: bierernst. Von früheren Publikationen, etwa von Eike Schönfelds alles easy/Ein Wörterbuch des Neudeutschen (Beck'sche Reihe, 14,80 DM), sind wir ja einen Grundton der Ironie, der Frotzelei gewöhnt.

Nicht so bei Bertelsmann. Die Autoren arbeiten sich an den neuen Wörtern redlich ab - "Event" : "In jedem Fall handelt es sich um ein Medienspektakel mit besonders hohem Vermarktungswert". Man spürt geradezu, wie der eventtüchtige Medienkonzern an den Definitionsnuancen mitwirkt.

Das wird noch deutlicher an einem Begriff aus dem weniger feinen Arsenal des internationalen Managements. So wird die "feindliche Übernahme" aus der Sicht der Bertelsmänner folgendermaßen neutralisiert: "Es ist immer die Verliererseite, die von einer feindlichen Übernahme spricht." Man versteht, dass das Trendwörterbuch zugleich auch ein kleines Brevier für den Hausgebrauch in Gütersloh sein soll.

Da kommt uns das Wörterbuch der Szenesprachen doch viel smarter vor ("Smart zu sein heißt, anpassungsfähig, flexibel, kreativ, offen und schnell agieren zu können"). Zwar stellt es mit dem Untertitel Herausgegeben von Trendbüro unser Sprachgefühl erst einmal mächtig auf die Probe, entschädigt aber durch den lapidaren Satz auf der Rückseite des Umschlags: "Die deutsche Sprache macht was mit." Und was sie alles mitmacht und mit sich machen lässt, führt das Buch dann auf 200 (winzig-witzig bebilderten) Seiten pointiert vor: eben nicht nur mit Vokabeln wie grinden, cruisen, switchen, burnen, also mit Anglizismen aus den diversen Klein- und Großnischen des Trends, sondern auch mit solchen Kostbarkeiten wie zuföhnen (für zuquatschen), eintüten (Ladendiebstahl) oder dem barocken Dreierpack fürs Cannabisrauchen: quarzen, knülzen, harzen. Während Loskant/Bertelsmann bei deutschen Wendungen eher mit Begriffen wie (dem kaum je gebrauchten) "Herumschrödern" aufwarten, spürt man bei den Stichwörtern des Trendbüro-Bandes, dass sie wirklich das Changieren des ironischen Zeitgeist offenbaren. Man bekommt vorgeführt, dass Wörter über ihrer alten Wirklichkeit tanzen können.