Die Spiele sind noch nicht eröffnet, schon ist der erste Wettbewerb entschieden: In der Disziplin Stadionbau landet Sydney mit einer beliebigpompösen Schüssel irgendwo im Mittelfeld - unangefochtener Weltrekordhalter bleibt München. Was dort vor 28 Jahren gelang, ist seither nie mehr gelungen: Man baute kein Stadion, sondern eine Ideallandschaft, ein Gesamtkunstwerk, in dem Stadt, Sport und Park in eins fielen. Auf sanften Hügeln begegneten sich Romantik und Moderne, Wehmut und Zukunftslust, und den Architekten um Günter Behnisch gelang ein sanftmütiges Wahrzeichen - für das Wagnis namens Demokratie und für den Willen zur offenen Gesellschaft. Das Stadion wurde zu einem der weltweit wichtigsten Bauten des 20. Jahrhunderts.

München aber, statt sich des bausportlichen Rekords zu rühmen, plant hartnäckig die Zerstörung. Die WM 2006 vor Augen, will man das weitläufige Rund der Leichtathleten aufmotzen zum dicht bepackten Hexenkessel für Fußballprofis (ZEIT Nr. 50/98). Drei neue Varianten legte das Büro Behnisch kürzlich vor, durch die sich die Sitzreihen nah an den Rasenrand verlegen ließen und Fanläden, Restaurants und Fernsehstudios in die alte Arena gezwängt werden könnten. Heftig wird in München über die beste Variante gestritten, dabei ist es eigentlich egal, welche man baut: Alle drei würden die Grundideen des Stadions zerstören. Dessen Offenheit zum Park wäre durch Tribünen verbarrikadiert und die verspielte Luftigkeit des Daches durch schnittige Ränge zerstört. Allerdings ohne dass damit ein atmosphäredichtes Fußballstadion entstünde.

Nichts ist also unsinniger als ein Umbau: Die Münchner wären um 500 Millionen Mark ärmer, die Vereine wohl ähnlich unzufrieden wie heute und die Deutschen um ihr wichtigstes Denkmal der Nachkriegszeit beraubt. Dabei liegt die Lösung so nahe, gleich nebenan im Olympiapark. Dort steht ein ausgedientes Radstadion, an dessen Stelle man einen Kickerkessel mit allen Raffinessen errichten könnte. Er wäre 100 Millionen Mark billiger als der Umbau und ließe sich problemlos in die Parklandschaft einpassen.

Doch wird sich München besinnen? Obwohl Stadt, Verein und Architekt zum Wahnwitz entschlossen sind, darf man nun doch hoffen: darauf, dass ein Bürgerbegehren die Einsicht erzwingt (www.buergerbegehren-olympiastadion.de).

Gesammelt werden müssen dafür 30 000 Unterschriften, und man kann Stadionverliebten wie auch Stadionverächtern nur raten, sich in die Listen einzutragen. Damit das Doppelrund im Behnisch-Park bald Wirklichkeit wird - und Neu und Alt zu Partnern werden und nicht zu Konkurrenten.