Schon die erste Szene ist weit mehr als nur die Exposition zu einem Film. Sie zeigt den Regisseur als Zuschauer im Kino, und während ein alter Film läuft, sitzt dessen Hauptdarstellerin anonym im Publikum. Keiner nimmt sie wahr, auch der Zuschauer nicht. Erst als sie aufspringt und die Vorführung hastig verlässt, registriert er sie. Ein flüchtiger Schatten, mehr nicht.

Die Vergangenheit ist nicht tot sie ist nicht einmal vergangen. Der berühmte Satz von Faulkner beschreibt die Thematik des Films, in dem das Gestern partout nicht vergehen will. Und doch alles, was im Heute einen Sinn geben könnte, vergänglich ist. Ehre, Liebe, Glück: Als die Frau aus dem Kino kurz darauf einem Freund begegnet, hofft man noch, er werde sie vielleicht retten. Doch dann passiert das Gegenteil. Denn weil sie längst verloren ist, wird sie auch ihn beinahe zerstören. Am Ende bleibt nur Einsamkeit, ein viel zu hoher Preis.

Es war der letzte Film eines dreiteiligen Zyklus, in dem sich der Regisseur der jüngsten Geschichte seines Landes angenähert hat. War sein Blick auf die Gesellschaft darin anfangs noch in Momenten versöhnlich, so wirkt die Welt, die er nun in extrem künstliches Licht tauchte, kalt, zynisch und dekadent.

Eine Welt, deren Wirklichkeit nicht greifbar ist, weil ihre Illusionen nicht durchschaubar sind.

Auch mit seinem eigenen Leben kam er schwer zurecht. Flüchtete in rauschhafte Zustände, vor allem in die Arbeit. Bei Theater, Film und Fernsehen probierte er sich aus, und dass er sich innerlich und äußerlich dabei Blessuren schlug, nahm er in Kauf. Mal sperrig und persönlich, mal massentauglich und kitschig wirkt das Schaffen des Autodidakten im Rückblick - und bezieht aus diesen Widersprüchen seinen Reiz. Übrigens war der Auftritt als Kinogänger sein letzter Auftritt als Darsteller in einem eigenen Film. Wie lautet sein Titel?

Auflösung aus Nr. 37: Das Hochzeitsbankett. 1993 inszenierte Ang Lee seine Tragikomödie über das späte Coming-out eines in New York lebenden schwulen Taiwanesen. Als seine traditionell denkenden Eltern zur Scheinhochzeit anreisen, beginnt für alle Beteiligten ein notwendiger Lernprozess. 1997 drehte Lee das 70er-Jahre-Familiendrama Der Eissturm