Beim Media Markt - Werbeslogan "Ich bin doch nicht blöd" - scheint alles zum Besten zu stehen: Die Umsätze steigen, die Gewinne ebenso. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres eröffneten bundesweit 20 neue Fachmärkte. Doch in den mittlerweile 138 Filialen in Deutschland mit rund 9000 Angestellten, 500 davon als Teilzeitkräfte, gibt es nur einen einzigen Betriebsrat. Normal wäre, wenn etwa 50 der Märkte eine gewählte Interessenvertretung hätten. Das lässt sich aus einer Erhebung des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und der gewerkschaftseigenen Hans-Böckler-Stiftung ableiten.

Die Media-Markt-Gruppe zeigt sich nicht beeindruckt von solchen Rechnungen.

Hans Pütz, Geschäftsführer der Media-Saturn-Holding, erklärt sogar: "Durch flache Hierarchien sind die Mitarbeiter einfach näher dran an ihrem Chef und brauchen offensichtlich keine bürokratisch organisierten Arbeitnehmervertreter." Mia Lindemann von der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) sieht das anders: "Die Chefs nutzen die - zumindest teilweise - erhebliche Abhängigkeit ihrer Arbeitnehmer aus." Viele Mitarbeiter würden aus Angst vor persönlichen Nachteilen keine Betriebsratswahlen einleiten.

In einem Fall ist die Gewerkschaftssekretärin der Bezirksverwaltung Heidelberg inzwischen aktiv geworden. Sie und ihre Kollegen haben die Geschäftsleitung des dortigen Media Marktes angezeigt - wegen massiver Behinderung und Beeinflussung der Betriebsratswahlen. Der Geschäftsführer soll gezielt Gerüchte über die Kandidaten einer Liste gestreut haben. Von Vorstrafen sei die Rede gewesen, von sexueller Belästigung, Ausländerfeindlichkeit, Drogensucht und Blasphemie. Gewählt wurde schließlich ein "linientreuer" Betriebsrat, wie die HBV die einzige Arbeitnehmervertretung in den Media Märkten bezeichnet. Nun ermitteln die Staatsanwälte. Einer Frage werden sie allerdings nicht nachgehen: Ist der Streit in Heidelberg eine Ausnahme in der ansonsten partnerschaftlichen Welt der Media Märkte, oder werden dort Betriebsratswahlen generell behindert?

"Gezielte Einschüchterung" oder nicht? Uneinigkeit unter Gewerkschaftern

In Ingolstadt, dem Sitz der Holding, scheint die Sache einfach. "Die Bildung von Betriebsräten ist einzig und allein die Sache der Mitarbeiter. Da mischen sich weder die Leiter der einzelnen Fachmärkte noch ich als Geschäftsführer der Holding ein", so Hans Pütz. Unterstützung erhält er von Holger Grape von der Deutschen Angestellten Gewerkschaft (DAG). Grape ist Mitglied im Aufsichtsrat der Metro AG, der mehr als 70 Prozent der Media-Saturn-Holding gehören. Gern sieht der Gewerkschafter es zwar nicht, dass es in den Elektromärkten keine Betriebsräte gibt. Aber eine bewusste Manipulation sei für ihn nicht zu erkennen.

Die HBV urteilt anders. Ihre Recherchen haben ergeben, dass die Wahlen von Belegschaftsvertretern bundesweit unterdrückt werden. "Mitarbeiter, die Interesse an der Bildung eines Betriebsrates haben, werden unter Druck gesetzt, abgefunden oder entlassen, und die Geschäftsführung ,einigt' sich mit der Belegschaft, dass ein Betriebsrat unnötig sei", heißt es in einem Bericht. So hätten Mitarbeiter der Berliner Filiale von gezielter Einschüchterung erzählt, die zusammen mit Sommerfesten, Grillpartys und Schiffsfahrten ein Klima von "Zuckerbrot und Peitsche" ergäben. In Hamburg hatten leitende Angestellte der Belegschaft erklärt, dass ein Betriebsrat eine teure Angelegenheit sei. Schließlich brauche der ein Büro, einen Computer und Schulungen. Und überflüssig sei er eigentlich auch, da Probleme direkt mit der Geschäftsleitung gelöst werden könnten. Aus Heilbronn, Köln und Sinsheim berichtet die HBV Ähnliches. Dort sollen Verkaufs- und Abteilungsleiter durch ihre klare Ablehnung und durch Abstimmungen in der Belegschaft versucht haben, Befürworter von Betriebsräten einzuschüchtern.