Unsere Ärztinnen und Ärzte haben also Skrupel, wenn sie ihre ethische Pflicht zur vollständigen und wahrheitsgemäßen Aufklärung verschweigen, dass nicht deren Wohlergehen, sondern wirtschaftliche Erwägungen ihre Entscheidungen leiten. Immerhin etwas, könnte man meinen. Doch wo bleiben die Skrupel, wo bleibt der ärztliche Aufschrei, wenn von Ärztinnen und Ärzten verlangt wird, im vermeintlichen Interesse der Gesundung des deutschen Gesundheitswesens wider das ethische Prinzip, dass jeder Patient ein Recht auf bestmögliche Versorgung hat, zu handeln? Wo bleibt der kollegiale Protest, wenn Ärztinnen und Ärzte sich einem solchen Ansinnen beugen und damit gegen ärztliche Berufsethik und geleistete Eide (und das Strafrecht?)

verstoßen

Die sich hier abzeichnende Gewichtsverschiebung macht deutlich, wie sehr die These von den Einsparungsnotwendigkeiten im deutschen Gesundheitswesen zum Allgemeingut geworden ist und wie selbstverständlich es auch von Ärztinnen und Ärzten hingenommen wird, dass Einsparungen gar nicht mehr infrage gestellt werden, obwohl dies angesichts des gesellschaftlichen Reichtums in unserem Lande nahe läge. Wie sonst sollte die wegen drohender Budgetüberschreitung verschobene Operation mit unnötig verlängerter Schmerzphase für den Patienten angesichts des dauerhaft wirkenden staatlichen Einnahmeverzichts in Milliardenhöhe (Steuerreform) und des von Wirtschaftsunternehmen binnen weniger Wochen mobilisierten Kaufpreises für UMTS-Lizenzen, ebenfalls in Milliardenhöhe, gewüdigt werden? Aber selbst ökonomisch erforderliche Einsparungen dürfen niemals zu Lasten kranker Menschen gehen, denen sonst wirksam geholfen werden könnte.

Bernd Häusler, Hannover