Zumindest dann, wenn es sich dabei um einen Stapel alter "Hobby"-Hefte aus den fünfziger Jahren handelt. "Hobby. Das Magazin der Technik" lautete der vollständige, ebenso nüchterne wie vielversprechende Titel, der eigentlich schon alles sagt, was es zu sagen gibt.

Technik & Hobby: Damit wird nicht nur das menschlich Machbare als Ultima Ratio aller Probleme angeboten - noch heute orakelt die Besatzung der USS Voyager von obskurer "fortgeschrittener Technologie", wenn den Drehbuchautoren ein Deus ex Machina fehlt - sondern es wird auch gleich das Versprechen abgegeben, diese Technik fiele in den Wirkungsbereich des Jedermann.

Denn "Hobby" - das meint Bastel- und Heimwerkerstunden, in denen Knaben jeden Alters (ruhig auch mit Rauschebart und Pfeife) an der heimatlichen Arbeitsplatte mit Hammer, Zange und Lötkolben sich die Welt ein wenig untertan machen. Wer ein "Strahltriebwerk im Eigenbau" (Dezember 1957) erschafft - was kann den noch schrecken?

Bastel- und Bauanleitungen hatten eine festen und umfangreichen Platz im Heft. Was wurde da nicht alles in autochtoner Heim- und Handarbeit gebaut: Jede Menge Modellflugzeuge, -autos, -eisenbahnen, und -schiffe, ein veritabler Aluminiumschmelzofen, diverse Lampen, ein "Kleinroboter fürs Fotolabor", eine Dampfrakete, Klein- und Kleinstmöbel jeder Art und so weiter und so fort, Monat für Monat, Jahr um Jahr: Es schien nichts auf der Welt zu geben, das dem zielsicheren Griff bastelnder Männerhände entzogen blieb.

Kein Wunder, daß der Redaktion die subversiveren Spielarten der Science-Fiction Dorn im Auge waren, mit denen sich die so entschieden geleugneten gesellschaftlichen Ängste vor der bejubelten Technik drastisch und genretypisch Bahn brachen. So wetterte man im Oktober 1957 über die "Dilettanten, Nichtskönner und Schmierfinken", die in ihren Romanen monströse Apparaturen, Roboter und Maschinen auf die Menschheit loslassen: "Wer ein reales Verhältnis zu Technik und Wissenschaft hat, dem kann solche Science-Fiction nichts anhaben. Aber wer ist so gefeit!"

Da sei "eine saubere Schriftstellerei" vor, die mindestens so sauber und zukunftsgewiss ist, wie die Apotheose der Technik, die "im Bau befindlichen Atomreaktoren", gegen die bekanntlich nur mit "unsinnigen Argumenten polemisiert und prozessiert" werden kann.

Nichts scheint Mitte der fünfziger Jahre die technischen Machbarkeitsphantasien stärker entzündet zu haben, als die Atomenergie. Ob "Atom-Flugzeuge keine Utopie mehr" waren, die Autoren "auf Bahnsteig 3" schon den "Atom-D-Zug" einfahren ließen, den "Tanz auf dem Atomvulkan" beschrieben, eine "Olympiade der Atomtechnik" ins Leben riefen oder man den mit "radioaktiven Strahlen gedüngten Zaubergarten von Long Island" bestaunte: Kein Thema ist in den frühen Hobby-Jahren so präsent wie "das Atom".

Allenfalls das Auto konnte da noch mithalten und je stärker sich zeigte, daß die anfangs erträumte Symbiose vom "Atom-Auto" nicht realisiert werden konnte - "Atomkraftanlagen sind also einfach für Autos, zumindest für Personenwagen, zu schwer" - desto mehr Raum nahm das Auto ein, bis es schließlich zum einzigen, alles dominierenden Heftinhalt avancierte.

Doch das war schon der Anfang vom Ende - in den späteren Jahren mutierte "Hobby" immer mehr zum Auto-Magazin für Bastler, bis es nach rund 25 Jahren vom Kiosk verschwand -, im ersten Jahrzehnt feiern Auto & Atom Heft für Heft ungeahnte Triumphe. Da träumten sich Redaktion und Leser ein angstfreies Technikparadies zusammen, in dem "eine sinnvolle Entwicklung von Wissenschaft und Technik" der "Traumwelt aus Wahn- und Angstvorstellungen" all jener trutzig Paroli bot, die "das Staunen über echte technische Glanzleistungen verlernt" hatten.

Je dröhnender der selbstsichere Gestus der Texte, desto verräterischer das Gewischel und Gemurmel im Anzeigenteil. Hier wurden zielsicher die Ängste der Leser adressiert. Die Kehrseite der redaktionellen Omnipotenz-Phantasien sind die verkappten Ohnmachtserklärungen der Anzeigen. Es wimmelt von allen möglichen Kursen und Angeboten, dubiosen Verdienstmöglichkeiten, männlichen Kosmetika, Muskelpräparaten, und ähnlichem mehr.

"Auch wenn ihr Herz der Technik gehört - Männer haben es gern, wenn sie von Frauenblicken aus schmalen Augen gestreift werden", weshalb den "Männern einer neuen Zeit" der Pfeifentabak "Harvard" ans Herz gelegt wird. Fürs geistig Wohlbefinden sorgt "mein Fernstudium", das den Hobby-Mann "1-2-3-im-Handumdreh'n" vorwärts bringt: "Jetzt hab' ich 'ne anständige Stellung und es reicht zum eigenen Wagen!".

Im Innersten jedoch, wer wollte das leugnen, nagt der Zweifel am Mann - schrecklichster der Schrecken aller Männer: Kein Mann zu sein: "Kraftvoll neu! Männlich!" verspricht daher prahlend ein Muskelprotz, der sein Geheimnis - "Super Muscula" für 11,70 DM pro "Original-Packung" - gern mit den Hobby-Lesern teilt: "Sie können es am eigenen Körper erleben. Wie glücklich es macht, wenn man das stolze Gefühl hat, es mit jedem anderen Mann aufnehmen zu können. Nicht nur geistig, sondern auch körperlich überlegen zu sein. So, wie es ja jeder Mann von Natur aus eigentlich ist!"

Das muß man mehrfach lesen, um es zu glauben: Jeder Mann ist jedem andern Mann von Natur aus geistig und körperlich überlegen. So amüsant dieses paradoxe Werbeversprechen auch ist, so verräterisch ist es: Stimmiger läßt sich der ambivalent zerrissene Baugrund der technischen Hobby-Welt kaum auf den Begriff bringen.

Doch Zurück in die Zukunft, auch in der Gegenwart gibt's Männer - die Möbelpacker warten und der Umzug muß weitergehen. Da wandern die Hefte wieder in ihre Kiste. Die muß mit. Vielleicht schau' ich in 50 Jahren wieder rein.

Hobby. Das Magazin der Technik erschien erst monatlich, später vierzehntäglich im Ehapa-Verlag von 1953 bis ca. Anfang der achtziger Jahre.