Zum Beispiel unterstützt das Technology Help Desk im Main Press Centre nur IBM-kompatible Computer. Zwar arbeiten nicht wenige Journalisten mit Geräten der Firma Apple, aber IBM ist einer der Hauptsponsoren der Spiele, und da muss der Mac-User sehen, wo er bleibt. Auch bei Problemen mit den Providern AOL oder Compuserve darf man hier nicht auf Hilfe hoffen: Zugelassen sind nur Mitarbeiter des Providers bigpond, der zur Telefongesellschaft Telstra gehört, die wiederum die Telefone zur Verfügung stellt, über die man einen Netzzugang herstellt. Aus reiner Menschenfreundlichkeit schauen die Mitarbeiter gelegentlich auch einem Apple-AOL-Aussenseiter über die Schulter, aber wenn das Problem größer zu sein scheint, empfehlen sie kalt lächelnd, doch einen Monatsvertrag mit bigpond abzuschließen. Dass vielleicht sie das Problem sind, weil nämlich die meisten AOL-Kunden im Pressezentrum zu kämpfen haben, an anderen Stellen Sydneys aber nicht, kommt ihnen nicht in den Sinn. Fast könnte man sich eine Verschwörungstheorie zurechtlegen. Denn im prall gefüllten Presserucksack, einer Art Sponsoren-Wundertüte, die hier jeder Berichterstatter zur Begrüßung bekommt, ist gleich ein kleines Faltblatt mit der "ganz einfachen" bigpond-Anmeldung enthalten . 30 Tage nur 30 Dollar! Natürlich findet sich auch dort nur eine Prozedurbeschreibung für Benutzer von Windows-Programmen aller Art (deshalb also war Bill Gates bei der Eröffnungsfeier!).

Wahrscheinlich ist das die Rache dafür, dass die Sponsoren in den Stadien selbst merkwürdig unterrepräsentiert sind. Während man sonst bei jeder Sportübertragung einem Werbe-Overkill ausgesetzt ist, die Bandenwerbung mittlerweile rotiert und Athleten ihre Hemdkragen verkauft haben, herrschte zum Beispiel bei der Eröffnung eine auffällige Marketingprüderie. Nur in den Katakomben gab es die bekannte Getränke-Monokultur, aber im Stadion hatten die Sponsoren grade mal fünf Minuten im Vorprogramm, in denen ihnen ein Dankesvideo auf den beiden großen Leinwänden gewidmet war.

Ohnehin wissen wohl die Marketinggewaltigen allein, warum bestimmte Marken und Produkte unbedingt mit Olympia und Hochleistungssport in Verbindung gebracht werden wollen. Welcher Spitzenathlet geht schon zu McDonalds? Und trinken die nicht alle irgendwelche Elektrolytgeschichten statt Coca Cola? Einer der Hauptsponsoren des deutschen Olympiateams ist die Brauerei Bitburger - mit dem Ergebnis, dass sich im deutschen Haus, das mit Hilfe der Bierfritzen eigens für die Spiele errichtet wurde, fast alle Sportler an Mineralwasser klammern. Dafür kommen die Journalisten gerne auf einen kostenlosen Schluck vorbei, vielleicht ist das der beabsichtigte Mitnahmeeffekt. Und wahrscheinlich darf man auch von einem Spitzensportler kein allzu idealistisches Bild haben: "Ich freue mich schon darauf, wenn mein Wettkampf vorbei ist", sagt der deutsche Surfer Alexander Baronjan, "dann kann ich endlich zu McDonalds gehen."