Jetzt wissen wir es wenig besser: Männer schreiben Geschichte - jedenfalls ihre eigene. Dass Helmut Kohl daran sitzt, das wissen wir, seit er seine allfälligen Tantiemen verpfändet hat, um das Bußgeld für die rechtswidrig vereinnahmten Spenden aufzubringen, teilweise. (Apropos Bußgeld: Buße setzt in erster Linie innere Umkehr und Reue voraus, allenfalls in zweiter Instanz Geld. Und keinesfalls die Reue ums Geld...) Männer schreiben Geschichte: Jetzt kommen die Vorabdrucke aus Wolfgang Schäubles Erinnerungsbuch auf den Markt. Und was lehren uns die ersten Einblicke?

Erstens: So aufgeklärt über Mächte und Strukturen, wie wir sind - wirklich faszinierend sind die menschlichen Dramen, die Mantel- und Degenstücke. Deshalb verkaufen sich auch die Bücher der Darsteller. Zweitens: Wie immer abenteuerlich die finanziellen Strukturen des Systems Kohl beschaffen waren, es müssen in diesem angeblich so biederen (oder: biedermeierlichen) System ungeheuerliche, wenngleich unterdrückte Spannungen geherrscht haben (verdeckt wie angestachelt durch massive Abhängigkeiten) - Spannungen, die sich nun nach und nach in nachgerade zerstörerische Weise entladen. Drittens: Dass die Beteiligten darüber Bücher schreiben, noch bevor sie Abstand gewinnen konnten, ist ein Element dieses nacheilenden Machtkampfes um den Platz in der wahren Geschichte. Der allerdings ist noch in vollem Gange. Und deshalb steht auch noch nicht fest, wer ihn verlieren und wen er noch verschlingen wird.