Der letzte Golfkrieg begann, als der irakische Diktator seine kuwaitischen Nachbarn des unterirdischen Ölklaus bezichtigte. Das war vor zehn Jahren. Nun schießt Saddams Ölminister mit just den gleichen Parolen um sich, und die erste Runde hat er schon gewonnen. Der Preis für Oktober-Öl sprang tags darauf auf die höchste Marke seit Oktober 1990 (während des Aufmarsches im Golf). Der Dow-Jones fiel um einen, der Dax um anderthalb Prozent. In Asien war der Absturz noch brutaler - um bis zu sieben Prozent. Ach ja, der Euro - auf neuem Rekordtief.

Alles déjà vu? Wird's auch der Krieg sein? So töricht muss Saddam diesmal nicht sein; er musste nicht einmal durchladen, um den Rest der Welt, zumal die Herren Scheichs ringsum, einzuschüchtern. Denen hat er höchstpersönlich untersagt, den Ausstoß zu erhöhen, um so den "Supermächten" zu gefallen. Kuwait und Saudi-Arabien gehören nicht zu den tapfersten Regimen der Welt. Doch selbst wenn sie heftiger nach Westen schielten: Die Macht über die Märkte gehört in diesen Tagen dem Mann, der über die "Republik der Angst" herrscht. Der Grund? Irak exportiert derzeit 2,5 Millionen Barrel pro Tag. Nimmt er die vom Markt, kann die gesamte Opec diesen Verlust nicht wettmachen. Macht ist, wenn man sie nur zeigen muss.

Saddam will die Sanktionen weghaben; das ist klar. Ebenso, dass er dann ungestört an seinen Massenvernichtungswaffen weiterbauen wird. So rächt sich erneut, dass 1991 eine Mischung aus Kleinmut und falsch kalkulierter Realpolitik den Westen davon abhielt, den Mann aus seinem Bunker zu holen. Was die Welt nun tun kann? Ganz so hilflos, wie Saddam wähnt, ist sie nicht. Zusammen besitzen die in der Pariser Energiebehörde IEA vereinten Industrieländer Reserven, die für ein knappes halbes Jahr gut sind. Die zu öffnen wäre jetzt ein Signal, das auch Saddam versteht. Ihn dabei etwas heftiger an seine militärische Verwundbarkeit zu erinnern wäre ein nützliches Begleitsignal. Der Vertrauensbildung auf den Weltmärken würde es helfen, wenn die Zentralbanker der G-7 demonstrativ über Liquiditätsspritzen im Falle eines Crash nachdächten. Doch langfristig gilt leider die Lehre der Ölschocks von 1973 und 1979: Lieber den Preis der Droge Öl daheim erhöhen, um so die Nachfrage zu drosseln, als sich den Schurken dieser Welt auszuliefern. Leider aber spart der Mensch erst dann, wenn es zu spät ist.