DIE ZEIT: Professor Treusch, was kann, was soll mit Aktionen wie dem Wissenschaftssommer Bonn erreicht werden?

JOACHIM TREUSCH: Wenn sich die positive Botschaft dieser Aktion nicht nur den mehr als 50 000 Besuchern mitteilt, sondern zudem noch über die Medien multipliziert wird, kann das schon einiges bewirken. Wir müssen erreichen, dass die hier in Bonn erlebte Begeisterung auch andere Forscher ansteckt und dass damit innerhalb der Wissenschaft ein besseres Klima für den Dialog mit der Öffentlichkeit geschaffen wird.

ZEIT: In wissenschaftlichen Kreisen gilt es oft als unseriös, wenn Forscher ihr Fach popularisieren. Wie wollen Sie dieses Vorurteil bekämpfen?

TREUSCH: Wir haben schon vor Jahren am Forschungszentrum Jülich einen Preis für die am besten präsentierte Doktorarbeit ausgeschrieben. Und die DFG hat soeben mit dem Stifterverband den neu geschaffenen Communicatorpreis an den Mathematiker Albrecht Beutelspacher verliehen. Hier werden die Vorurteile, die Sie ansprechen, abgebaut.

ZEIT: In der vergangen Ausgabe der ZEIT gab Dieter Simon zu bedenken, dass public understanding, also das öffentliche Verstehen, eine Selbsttäuschung sei: Das eigentliche Problem der Wissenschaft, nämlich das fehlende Vertrauen in der Öffentlichkeit, ließe sich dadurch nicht beheben.

TREUSCH: Deshalb reden wir nicht von public understanding, sondern von "Wissenschaft im Dialog". Wo soll denn Vertrauen entstehen, wenn nicht im Dialog? Natürlich sind diesem Dialog Grenzen gesetzt. Sie sollen und können nicht jedem Laien das Bohrsche Magneton erklären. Aber wenn die Wissenschaftler sich Mühe geben und einem Fragenden richtig zuhören - das haben wir in Bonn erlebt -, dann können sie ihm doch eine grundlegende Idee von ihrer Arbeit geben. Und dieses Gefühl, eine Einsicht gewonnen zu haben, erzeugt bei den Zuhörern auch persönliches Vertrauen.

ZEIT: Im Jahr der Physik ging es um eher harmlose Themen - Kosmologie, Kern- und Elementarteilchenphysik. Umstrittene aktuelle Fragen wie etwa das Klonen von Menschen oder Gentests vor der Geburt werden dagegen bisher kaum thematisiert.