"Neue Preisrunde an den Tankstellen", titelt die FAZ. "Der Sprit wird noch teurer" stöhnt der "Tagesspiegel. Die "Frankfurter Rundschau" schreibt: "Ölkonzerne schrauben Benzinpreise höher" und die Bild tröstet die Leser mit folgender Überschrift: "Benzin schon wieder 4 Pfennig rauf. VW baut 1-Liter Auto." Die Süddeutsche Zeitung zitiert den Bundesverkehrsminister: "Klimmt wirft Ölkonzernen Raffgier vor". Die "Welt" weiß zu berichten. "Schröder trifft sich vertraulich mit Chefs der deutschen Autokonzerne". Nur die TAZ beschäftigt sich heute nicht mit der Ölkrise. Unter der Überschrift "Jede dritte Frau ist Opfer" hat die TAZ heute die Titelseite für den UN Weltbevölkerungsbericht freigeräumt.

Eine interessante Entdeckung hat die "Bild" gemacht. "Immer wenn die Scheichs an der Preisschraube drehen, werden unsere Autokonzerne plötzlich erfinderisch. Sonst säßen wir ... immer noch in 15 Liter-Spritschluckern." Wie wahr. Der Regierung kommt die Erhöhung der Preise denkbar ungelegen. Hatten sich gerade die Wogen der Entrüstung gelegt, ist nun mit neuem Ärger und neuen Forderungen nach Steuererleichterungen zu rechnen. Die FAZ zitiert Minister Klimmt: "Die Ankündigung neuer Preiserhöhungen sei ein Fall für das Kartellamt. ... Die Kassen der Konzerne quollen über." Nur vor was? Vor unbezahlten Rechnungen? Die Süddeutsche hat mal nachrechnen lassen "Nach einer Statistik des Mineralölwirtschaftsverbandes lag der Durchschnittspreis für Normalbenzin im August bei 1,96 Mark je Liter und damit um 24,2 Pfennig höher als im August 1999. Der Importpreis für das Benzin hat sich in dieser Zeit um 18,1 Pfennig je Liter erhöht, die Mineralölsteuer um sechs Pfennig und die entsprechende Mehrwertsteuer um 3,3 Pfennig. Für Transport, Lagerhaltung, Verwaltung, Vertrieb und einen Gewinn verblieben demnach 11,7 Pfennig je Liter und damit fast drei Pfennig weniger als vor einem Jahr." Also doch: arme Multis? Da sollte man nicht vergessen, dass fast alle Konzerne über eigene Förderanlagen verfügen. Sie verdienen also doppelt: am hohen Ölpreis und an den hohen Spritpreisen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Die rettenden Idee hat da Zippert, Glossenschreiber auf Seite Eins der "Welt". Er mag die schönen Autoschlangen, die sich als Protest gegen Ökosteuer, Benzinpreise, Scheichs und Opec durch die Innenstädte der Welt schieben. Das passiert zwar jeden Samstag in Deutschland auch ohne Protest, aber Zippert ist aufgefallen, das der Spritverbrauch eines langsam fahrenden Korsos enorm ist. "Möglicherweise hat das gesamte Benzin, das man zum Korsofahren verbraucht hat, mehr gekostet, als die Benzinpreiserhöhung ausmacht. ... Verbunden mit dem Korsofahren ist auch immer eine Forderung, etwa: "Wir verbrauchen jetzt so lange Benzin, bis das Benzin billiger wird." Hätte es dieses Jahr in Sydney schon das Korsoschwimmen gegeben, dann wäre die deutsche Mannschaft garantiert siegreich gewesen mit der Forderung: "Wir schwimmen jetzt so lange ganz langsam und schlecht gelaunt herum, bis wir dafür die Goldmedaille bekommen." In dieser Disziplin sind wir nämlich zurzeit unschlagbar."

Ein anderer Mann ist zumindest was die Ausreden angeht auch unschlagbar.190.000 Seiten Ermittlungsakten sollen nun ihren Weg von der Frankfurter Staatsanwaltschaft zum Untersuchungsausschuss des Hessischen Landtages finden. Doch ob die brisanten Akten, die die Staatsanwaltschaft bei der hessischen CDU beschlagnahmt hat, auch da ankommen ist fraglich. Ausgerechnet das von der Union geführte hessischen Justizministeriums sagte laut der "Welt" gestern: "Es bestehe ausdrücklich auf der Wahrung rechtsstaatlicher Grundsätze, wie sie das Grundgesetz und die Strafprozessordnung vorschreiben. Zunächst müsse das Ministerium noch die Betroffenen anhören, darunter insbesondere die CDU als Geschädigte, ob gegen die Weitergabe der Akten Bedenken beständen." Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Zum Beispiel die "Frankfurter Rundschau": "Die CDU im Allgemeinen und Koch im Besonderen haben in den vergangenen Monaten ihre Glaubwürdigkeit durch falsche Angaben und Vertuschungsmanöver nachhaltig ruiniert. Solange sich die Parteispitze nun mit Händen und Füßen dagegen wehrt, alle Akten auf den Tisch zu legen, wird sie weiterhin mit dem dringenden Verdacht leben müssen, noch viele andere Leichen im Keller zu haben" Die Bundes Union wartet derweil gespannt auf die Veröffentlichung der Aufzeichnungen ihres ehemaligen Vorsitzenden Wolfgang Schäuble. Der hatte in den letzten Tagen schon mehrfach und sehr publikumswirksam auf seine Sicht der Dinge im Spendenskandal hingewiesen. Eine Abrechnung, wie weiland Oskar Lafontaine mit Gerhard Schröder betrieben hatte, soll es indes nicht sein. Die Süddeutsche spricht von der "meist nüchternen, nur indirekten Sprache", während "Die Welt" die tragischen Momente heraus gelesen hat. "An einer Stelle beschreibt er, wie sie (Angela Merkel) reagierte, als er der damaligen Generalsekretärin seinen Entschluss, vom Amt des Parteivorsitzenden zurückzutreten, mitteilte: "Die Generalsekretärin war aufs Äußerste betroffen und beschwor mich, meinen Entschluss rückgängig zu machen" und weiter "Auch der damalige stellvertretende Unionsfraktionschef Friedrich Merz (CDU) habe sich hinter ihn gestellt. Schäuble berichtet in seinem Buch ferner, dass Merz ihn in einer Sitzung der Fraktionsspitze verteidigt hat. Zugleich habe der jetzige Fraktionschef damals Kohl in so scharfen Worten kritisiert, "dass ich ihn anschließend in einem Gespräch unter vier Augen um Mäßigung bat". So locker, wie die CDU in den Monaten Januar bis März mit der Situation umgegangen ist, kann es also nicht gewesen sein. Und das Verhältnis der Union zu ihrer Vaterfigur Helmut Kohl scheint nun auch wieder öffentlich untersucht zu werden.

ausgewertet: FAZ, FR, SZ, Welt, Bild, Tagesspiegel, taz, Handelsblatt

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