"Industriestaaten machen weiter Druck auf die Opec" (SZ) und "G7 wird Euro weiter stützen" ("Handelsblatt"), so ließen sich die wichtigsten Ergebnisse des Gipfels in Prag zusammenfassen. Die dort gemeinsam verabschiedete Aufforderung an die Erdöl exportierenden Länder, die Barrel-Preise zu senken, verbucht die "Frankfurter Rundschau" als puren Zynismus. Vor allem der Verweis auf die verheerende Wirkung der hohen Ölpreise auf die armen Länder sei unehrlich, denn "zu den Erdölexporteuren zählen auch Länder, die sonst eher als Habenichtse gelten". Der Siebenerclub verhalte sich bei Geld wie Ärzte, denen die eigenen Rezepte nichts mehr gelten: Arme Länder, die bisher immer aufgefordert wurden, zur Schuldentilgung ihre Exporteinnahmen zu steigern, sollen plötzlich auf die Einnahmen verzichten. Auch die SZ bescheinigt in einem Kommentar den Industrienationen Hilflosigkeit und Heuchelei: "Der Zusatz, gerade die ärmeren Staaten hätten jetzt am meisten zu leiden, ist scheinheilig. Ganz vorrangig geht es um die eigene Haut." Ehrlicher als solche Phrasen wäre die Verkündigung einer einfachen Wahrheit von Seiten der Bundesregierung: "Es gibt kein Recht auf billiges Benzin."

Auf mehr Zustimmung stieß die Entscheidung der G7, den Euro weiter zu stützen. Obwohl es das "Handelsblatt" als gängige Weisheit sieht, "dass Zentralbanken mit Interventionen gegen den Markttrend nur ihr Geld vergeuden", hält es die von den Amerikanern mitgetragenen Stützungskäufe vom Freitag für "voll gelungen", es gäbe "jetzt eine gute Chance, den Trend zu brechen und umzukehren." Die FAZ hingegen sieht die Intervention zugunsten des Euro "Auf unfruchtbaren Boden" gefallen, denn Finanzminister Eichel habe es versäumt, ihr durch ein engagiertes Bekenntnis zur Durchsetzung der notwendigen Strukturreformen weiteren Schwung zu verleihen."

Für ebenso unfruchtbar halten so gut wie alle Beobachter die Wahlen in Jugoslawien. "Manipulationen bei Wahl in Jugoslawien" ("Tagesspiegel"), "Belgrad kontrolliert Wahlzettel vor Abgabe" ("Frankfurter Rundschau"), "Unregelmäßigkeiten bei Wahl in Jugoslawien" (FAZ) - die Leitartikler sind sich einig. Fehlende Wahlkabinen, Zutrittsverbote zu Wahllokalen für Anhänger von Milosevic' Gegenkandidaten Vojislav Kostunica, schon vor der Wahl gefüllte Urnen, Ausweisung von Journalisten und Boykotte in Montenegro und im Kosovo lassen der "Frankfurter Rundschau" die "Wahl als Farce" erscheinen. Das autoritäre System von Slobodan Milosevic würde die Demokratisierung Serbiens und die Rückkehr nach Europa nicht kampflos zulassen. Statt die Wahlen durchzuführen, "hätte Milosevic gleich den Ausnahmezustand ausrufen und zur offenen Diktatur übergehen können."

"Es war das spektakulärste Sportwochenende des Jahres", freut sich die "Welt". Zwar gingen die 100-Meter-Sprint-Finals der Damen und Herren ohne Überraschungen, Rekorde und deutsche Beteiligung über die Tartanbahn, aber immerhin sind die deutschen Volleyballerinnen im Viertelfinale. Ach ja, und dann gab es noch achtmal Bronze, dreimal Silber und zweimal Gold fürs deutsche Team, geholt vom Doppelvierer und Doppelzweier der Ruder-Frauen. Damit ist Deutschland vom zehnten auf den neunten Rang des Medaillenspiegels vorgeprescht, den die "Welt" sowieso nur als "Parallelwettbewerb notorischer Erbsenzähler" versteht und auch sonst "eigentlich nur Grund zur Freude und zum Feiern sieht". Auch die taz freut sich auf die ihr eigene Weise, sieht sie nach der missratenen Fußball-EM doch endlich eine neue Identität für die deutsche Nation heraufdämmern: "Sind wir ein Volk von Wildwasserkanuten und Ruderern?"

ausgewertet: FAZ, FR, SZ, Welt, Bild, Tagesspiegel, taz, Handelsblatt

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