Lob und Tadel halten sich ungefähr die Waage in den Reaktionen der Presse auf Riesters Rentenpläne. "In der Tat hat Riesters Konzept neben beachtlichen Stärken nicht hinzunehmende Schwächen", befindet die FAZ und macht sich an deren Analyse. Wie auch alle anderen Zeitungen lobt das Frankfurter Blatt Riesters Verdienste beim Übergang zur kapitalgedeckten Altersvorsorge: "Seine Reform trägt an die jüngere Generation die klare Aufforderung heran, selbst zu sparen und für das Alter vorzusorgen." Auch die "Welt" empfindet dies als "revolutionär" und einen "Riesenschritt in die richtige Richtung". Das "Handelsblatt" spricht von einem "richtigen Schritt", meldet aber Zweifel an, "ob mit einer Förderung von zunächst 3,13 DM pro Monat eine flächendeckende Zusatzversorgung erreicht werden kann". Einig sind sich die Rentenexperten auch in ihrer Kritik des Entwurfs. "Nicht hinzunehmen ist, dass es künftig Rentner verschiedener Klassen geben wird", spielt die FAZ auf die Kürzung der Rentenansprüche der ab dem Jahr 2011 in Rente gehenden Jahrgänge an. Auch die "Welt" konstatiert eine "eindeutige Schlagseite" zu Ungunsten der jüngeren Generation und macht einen weiteres Problem aus: "Ohne Neuordnung der Besteuerung bleibt die Rentenreform Makulatur." Auch die FAZ beklagt, dass die Besteuerung der Renten, die aller Voraussicht im nächsten Jahr durch eine Entscheidung des Verfassungsgerichts sowieso vorgeschrieben wird, in Riesters Papier nicht vorkommt: "Alle Aussagen, die Riester jetzt über das Sicherungsniveau trifft, sind fragwürdig, solange offen bleibt, wie sich die Steuerlast der Rentner entwickelt." Die Schwächen der Reformvorschläge führt die "Welt" auf die wahltaktischen Überlegungen von Bundeskanzler Schröder zurück. Riester darf keinem potenziellen Wähler weh tun, "schon gar nicht der Generation der heutigen Rentner oder denjenigen, die sich in naher Zukunft in den Ruhestand verabschieden".

Als "betont gesetzeskonform" beschreibt die taz leicht enttäuscht die protestierenden Trucker in Berlin. "Wenig kampfbereit", "brav", "äußerst kooperativ", "friedlich" - wer den Artikel liest, bekommt den Eindruck, die angekündigte Großdemonstration sei eher eine gemütliche Butterfahrt zum Brandenburger Tor gewesen. Auch die Forderungen der Spediteure befindet die taz für "moderat": Die Ökosteuer wurde kritisiert, nicht aber auf ihre Abschaffung gedrängt, und "politischer Flankenschutz" gegen den "EU-Subventionswettlauf" im Transportgewerbe gefordert. Der "Tagesspiegel" bezeichnet die Trucker-Demo gar als "Veranstaltung von Trittbrettfahrern", die einen verlorenen Kampf an falscher Front führen. "Es ist nämlich keineswegs so, dass es der Fernfahrer-Branche ohne die Ökosteuer besser ginge", Schuld an der Brummi-Misere seien vielmehr Dumping-Preise in Osteuropa und Subventionierungen der Branche im europäischen Ausland.

"Benzin ist eine Ware, bei der weniger der Preis als vielmehr die Libido die Nachfrage regelt." Macht diese Erkenntnis der SZ die demonstrierenden Lkw-Fahrer auch als Haufen liebestoller Gesellen durchschaubar, schmälert sie doch keineswegs die Probleme von Bundeskanzler Schröder, denn: "2,08 Mark für den Liter Super aber machen schlechte Laune, über die nicht mal 'ne Flasche Bier hinweg hilft." Schlechte Stimmung also auf allen Seiten, nur Stefan Raab hat mal wieder gut lachen. Seine Koproduktion mit dem Schröder Gerhard, "Hol mir mal ne Flasche Bier, sonst streik ich hier", ist auf dem besten Weg, ein Schunkelhit zu werden. Der "erste wirkliche Hit" ("Welt") des "Stimmungskanzlers" (SZ)?

ausgewertet: FAZ, FR, SZ, Welt, Bild, Tagesspiegel, taz, Handelsblatt

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