Den Schatz seines Lebens hat Jürgen Fröbe* auf einer Bauschuttdeponie gefunden. Eigentlich suchte er nach Steinen für seinen Garten, als er im Schutt einige römische Scherben entdeckte. Sofort holte der Hobbyarchäologe Fröbe seinen Metalldetektor aus dem Auto. Es dauerte nicht lange, bis das Gerät piepte - eine Goldmünze. Dann eine zweite, dritte, vierte ...

Als die Planierraupe anrückte, um das Geröll den Hang hinunterzuschieben, drückte Fröbe dem Fahrer zwei Hunderter in die Hand. Zeit war jetzt Gold. Am Ende hatte er rund 360 Münzen gefunden. "Das war schon toll. Wie der Schliemann kam ich mir vor", erinnert er sich.

Das Hochgefühl hielt jedoch nicht lange an. Fröbe wird heute noch zornig, wenn er weitererzählt: An jenem Septembernachmittag 1993 hatte er einen Teil des berühmten Trierer Goldschatzes aufgespürt, des größten je entdeckten römischen Münzschatzes. Den Hauptfund hatte am selben Tag ein anderer gemacht - auf jenem Grundstück, von dem der Deponieschutt stammte. Noch am Abend lieferte der Mann die mehr als 2000 Münzen im Trierer Landesmuseum ab. Rasch forschten Museumsmitarbeiter nach weiteren Findern. Keine einzige Münze durfte Fröbe behalten. Die 15 000 Mark Fundprämie waren ein schwacher Trost.

Nein, ein Raubgräber ist Fröbe nicht. Ein Schlitzohr schon. Man möchte wetten, dass er nicht jeden Fund aus seiner beeindruckenden Sammlung römischer Gewandspangen, Münzen, Spielsteine oder Schmuck dem Museum angezeigt hat. Gesetzlich wäre er dazu verpflichtet.

Sammler wie Fröbe bereiten den deutschen Landesarchäologen Kopfzerbrechen. Einerseits profitieren die Experten von den Beobachtungen und Funden der Freizeitforscher. Andererseits zerstören die Sammler, oft aus Unkenntnis, manchen wissenschaftlichen Zusammenhang, weil sie auf scheinbar wertlose Begleitstücke kaum achten. Archäologen hingegen sammeln wie Kriminalkommissare möglichst alle Beweisstücke und versuchen, die Dinge in ihrer Lage zueinander zu erfassen. Vor allem aber sind da noch die schwarzen Schafe der Szene, die Fundstücke meistbietend verkaufen und gut davon leben. Die Gewinne aus dem Handel mit Altertümern sollen gleich nach jenen aus dem Waffen- und Drogenhandel rangieren.

Das Aufkommen von Metalldetektoren hat Raubgrabungen enorm gefördert. Die oft mehrere tausend Mark teuren Geräte zeigen größere Gegenstände bis zu zwei Meter Tiefe im Boden an. Besonders gewiefte Sammler spähen zuvor aus dem Flugzeug nach viel versprechenden Fundstellen. Die beste Quelle für Schatzsucher waren lange Zeit exakte Lagebeschreibungen in archäologischen Publikationen, doch die Profis veröffentlichen solche Angaben nicht mehr. Aber die Szene ist auch so gut informiert - über Internet, Videos und Handbücher. An Nachwuchs mangelt es nicht. Als Spielfiguren haben Schatzsucher samt Metalldetektor schon Einzug in die Kinderzimmer gehalten.

Der Schaden durch Raubgrabungen ist mitunter enorm. In den vergangenen 30 Jahren sind vermutlich mehr Funde aus dem Boden geklaubt worden als in den beiden Jahrhunderten zuvor. Tatort Heidetränk-Oppidum: Nur wenige Kilometer nordwestlich von Frankfurt liegt zwischen zwei Bergkuppen eines der größten Bodendenkmäler Hessens, eine ehemalige Keltensiedlung. Sie war vor mehr als 2000 Jahren das wirtschaftliche Zentrum der Region, einige tausend Menschen lebten dort. Seit den siebziger Jahren haben Sammler das Gelände mit Metalldetektoren systematisch abgesucht. Sie fanden so viele keltische Goldmünzen, dass zeitweise die Preise auf dem internationalen Markt fielen. Heute gilt die Anlage als weitgehend ausgeraubt. An manchen Stellen klafft Loch an Loch - eine Mondlandschaft.