Wer wollte schon vorhersagen, wie es in Jugoslawien nach der (Schein-)Wahl vom Sonntag weitergehen wird. Wo aber Prognosen unsicher sind, bleiben die Entwicklungsmöglichkeiten offen - auch zum unwahrscheinlichen Ende, dem des (fast) friedlichen Wandels zum Besseren.

Keine Illusionen, das gewiss nicht! Aber die jüngsten Entwicklungen im Rest von Jugoslawien lenken den Blick zurück. Schon einmal haben "gestohlene Wahlen" ein Regime, das sich bisher mit gefälschten Wahlen demokratisch lackiert hatte, zum Einsturz gebracht - diesen Einsturz zumindest mit vorbereitet: nämlich in der DDR des Jahres 1989, nach den Kommunalwahlen im Frühjahr, als die Bürger es erstmals wagten, den Schein der Wahlen als das zu bezeichnen, was er offenkundig schon immer war: als fadenscheinig. In bestimmten Situationen hält eine Diktatur eben gerade das nicht aus: dass öffentlich zum ersten Mal gesagt wird, was privatim jeder schon immer wusste. Vor allem der Herrscher selbst...

Keine Illusionen also - und keine falschen Parallel-Schlüsse. Aber immerhin doch so viel: Demokraten neigen dazu, obschon sie sich der moralischen Legitimität ihrer politischen Ordnung gewiss sind, unterschwellig zu vermuten, dass am Ende die nackte Gewalt diktatorischer Regime sich eher durchsetzen könnte. Oder wie Milosevic es einmal zu Außenminister Joschka Fischer gesagt haben soll, als der ihm beibringen wollte, dass die Nato einen allfälligen Krieg um das Kosovo verlieren werde: "Ich kann über Leichen gehen - Sie können das nicht!"

Doch hat es sich seit 1989 immer wieder gezeigt: Beton ist hart, aber brüchig - und Betonköpfe fallen irgendwann doch vom Sockel. Und: Nichts in der Politik ist ewig, schon gar nicht der einzelne Machthaber. Keine Illusionen also, aber etwas Hoffnung. Vielleicht auch für Jugoslawien - und gegen Milosevic, gegen jenen Diktator also, der im Schatten des Völkerfrühlings von 1989 seine Völkerkriege vom Zaune brach, weil er nur im Kriegszustand seine Herrschaft zu festigen vermochte. Aber nachdem er in den Kriegen nur verloren und nichts gewonnen hatte: Vielleicht verliert er nun auch die Macht? Hoffentlich!