Ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode. Dieses Zitat kommt einem in den Sinn, wenn man die aktuellen Maulereien (und das Maulheldentum) aus der CSU gegen die CDU und deren neue Führung hört. Nicht, dass das Leitungstrio aus Angela Merkel, Friedrich Merz und Rupert Polenz sich schon mit Ruhm bekleckert hätte. Wie denn auch? (Wobei die historische Gerechtigkeit auch dies festzuhalten nötigt: Wo glaubte denn die Union heute zu stehen, wenn die drei Neulinge von der Zankstelle die Führung im vergangenen Frühjahr nicht übernommen hätten, als Folge der schwarzen Kassen und Riesen?) Aber wie sollte dies auch zugehen: Eine Partei muss nach der Entzauberung ihres Machtzauberers Helmut Kohl eine ganze Nachfolge-Generation hinterherschicken - die Schäubles, Rühes, Rüttgers -, muss sich also auf eine regelrechte Kulturrevolution einlassen. Nur noch völlig unbelastete (und folglich vom System auch unbeleckte) Personen kommen für Leitungsämter infrage. Und dann erwartet man von diesen Novizen zugleich, sie sollten sich auf der Stelle als die alten, mit allen Wassern (und Abwässern) der Macht gewaschenen Routiniers aufführen, mosert herum, wenn sie dies - naturgemäß! - nicht sein können, anstatt ihnen erst einmal eine Zeit zu gönnen: ohne innerparteiliche Fallenstellerei, wenigstens ohne die innerparteiliche... Das ist doch Wahnsinn!

Nun zur Methode: Es zeigt sich wieder einmal, dass die CSU auf zwei Schultern trägt - oder genauer: dass ihr das Hemd auf der Schulter näher sitzt als der Rock. Das eine ist ihr eigenes Interesse als das der bayerischen Mehrheitspartei (und dort heißt für sie Mehrheit eben: absolute Mehrheit!), das andere ist das Gesamtinteresse der Union. Wenn es der CSU um das eigene Hemd geht, lässt sie den Rock der ganzen Union schnell einmal fallen - und hebt diesen allenfalls (und dann umso schneller) wieder auf, wenn es der CSU selber am meisten nützt. Man kann also das ungerechte, unzeitige und wahnsinnige Herabsetzen der CDU-Spitze durch die CSU-Spitze methodisch auch so lesen: Da die CDU/CSU im Bund ohnehin nicht viel ausrichten kann gegen die Bundesregierung, tut die CSU erst einmal im eigenen Lande, was ihr selber hilft. Und manchmal hilft es in den Stammlanden, auf die in Berlin (wie weiland gegen die in Bonn) zu stänkern - auch wenn es die eigenen Leute sind. Wenn es der CSU mehr nützt, als es der CDU schadet, ach, und selbst dann: Hat es doch Methode...