Horst Köhler, seit Mai dieses Jahres Chef des Internationalen Währungsfonds, warnte vor hohen Ansprüchen an die armen Länder der Dritten Welt. Man könne von den hoch verschuldeten Entwicklungsländern "nicht das Perfekte verlangen über Nacht".

Köhlers Mahnung zielt auf das Angebot der Industrienationen an die Entwicklungsländer: Geld gegen gutes Benehmen. IWF, Weltbank und Gläubigerstaaten wollen ihnen einen Teil der Schulden erlassen - wenn sie ihre Politik ändern. Auf der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds und Weltbank in Prag wird das noch einmal bekräftigt werden.

"Für uns bleibt Good Governance Voraussetzung für einen Schuldenerlass", sagte Kanzler Gerhard Schröder schon im Juli auf dem G-8-Gipel in Okinawa. "Es macht keinen Sinn, denen Hilfe anzubieten, die nichts damit anzufangen wissen." Und Frankreichs Präsident Jacques Chirac war mit seinen Kollegen aus den anderen großen Gläubigerländern einig: "Man kann keine Gelder erlassen, die dann für Staatsstreiche und Kriege verwendet werden."

Den starken Worten der Staatsmänner liegt die Erkenntnis zugrunde, dass ein Schuldenerlass allein nicht ausreicht, um die Armut auf der Welt zu verringern. Vor allem müssen die hoch verschuldeten Länder - im internationalen Konferenzjargon kurz HIPC (Heavily Indebted Poor Countries) genannt - selbst das Ihre dazu beitragen: Reformen in der Wirtschafts-, Sozial- und Bildungspolitik, eine solide Finanzpolitik, die Wahrung der Menschenrechte, das Eindämmen der Korruption.

Die Einsicht hat zwar einiges für sich, in der Praxis gilt jedoch die bescheidene Sicht des IWF-Chefs Köhler: Um in den Genuss der Erleichterungen zu kommen, müssen die Kandidaten ein Verfahren absolvieren, in dem Korruption und Menschenrechtsverletzungen keine Rolle spielen. Stattdessen legen die Gläubiger den Schuldenerlass nach einer Frist von drei Jahren fest, in der die Antragsteller in Abstimmung mit IWF und Weltbank ihre Wirtschaft reformieren müssen. Im zweiten Schritt verlangen die Gläubiger, dass die antragstellenden Regierungen "unter Beteiligung der Zivilgesellschaft" - so die offizielle Bedingung - ein Programm zur Bekämpfung der Armut entwickeln und verwirklichen. Erst dann werden ihnen die Schulden auf ein Maß gestrichen, das man für dauerhaft erträglich hält.

Bisher hat von den 40 Ländern, die in Afrika, Lateinamerika und Asien zur HIPC-Gruppe zählen, nur eines die Endstufe erreicht: Uganda. Bis Jahresende wird voraussichtlich auch Bolivien so weit sein. Für sieben weitere Nationen wurde der Schuldenerlass vereinbart. Elf Länder sollen nach den Planungen von IWF und Weltbank noch dieses Jahr folgen.

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