Kids, deren Eltern bei der AOK Baden-Württemberg versichert sind, können sich über ein ungewöhnliches Angebot freuen: Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für einen Inline-Skating-Kurs in Höhe von 94 Mark. Eine Leistung, die nicht zum Katalog der Kassen gehört. "Das Angebot dient der Prophylaxe", heißt es bei der AOK, "junge Leute sollen richtiges Stürzen lernen."

Auch die Hamburg-Münchener Ersatzkasse zeigt sich ihren Mitgliedern gegenüber ungewöhnlich generös. Versicherte, die noch keine private Auslandsreisekrankenversicherung abgeschlossen haben, bekommen von der Kasse eine geschenkt. Dies diene nicht etwa der Werbung, beteuert Klaus Schiefferdecker, Sprecher der Kasse, "wir wollen unseren Kunden einfach den Ärger mit Arztbesuchen im Ausland ersparen und uns die Kosten."

Dass die bei gesetzlichen Krankenkassen Versicherten ausgerechnet in den Septemberwochen besonders verwöhnt werden, ist kein Zufall: Pflichtversicherte Mitglieder können bis zum 30. September kündigen und sich eine neue Kasse suchen. Da ihre Beitragssätze in der Regel höher sind als die ihrer kleine- ren Konkurrenten müssen sich deshalb die Ortskrankenkassen und die großen Ersatzkassen etwas einfallen lassen, um ihre Mitglieder zu halten. Denn ein Wechsel spart den Versicherten viel Geld. Wer beispielsweise 6000 Mark im Monat verdient und etwa von der Barmer Ersatzkasse (Beitragssatz 13,9 Prozent) zur BKK Esso (11,8 Prozent) wechselt, zahlt pro Jahr 756 Mark weniger an Arbeitnehmerbeiträgen - für nahezu die gleichen Leistungen.

Unterschiede gibt es vor allem beim Service

Denn die Kassen müssen sich zwar dem Wettbewerb stellen, doch welche Kosten sie übernehmen müssen oder dürfen, legt der Gesetzgeber weitgehend fest. Unterschiede zwischen den Kassen gibt es vor allem beim Service, einigen Sonderleistungen und der Kostenübernahme von Naturheilverfahren.

Große Kassen wie die AOK und die Ersatzkassen verfügen über ein gut ausgebautes Filialnetz. Bei kleinen Kassen muss das Mitglied in der Regel mit der Beratung per Telefon vorlieb nehmen. Einige Kassen übernehmen - neben dem üblichen Leistungsspektrum - zudem die Kosten beispielsweise für autogenes Training, eine Haushaltshilfe im Krankheitsfall oder für Mutter-Kind-Kuren. Sonderleistungen gibt es auch im Rahmen von Modellversuchen, diese Offerten sind vor allem für chronisch Kranke und Allergiker interessant. Dazu gehören die Behandlung einer Schuppenflechte am Toten Meer oder Neurodermitis-Programme.

Die Leistungskataloge studieren sollten auch die Anhänger der sanften Medizin. Da nämlich gibt es die größten Unterschiede. Laut Bundessozialgesetzbuch müssen die Krankenkassen die so genannten "besonderen Therapierichtungen" angemessen berücksichtigen. Außerdem sind die Kassen verpflichtet, die Leistung für alternative Medikamente und Behandlungen zu prüfen, wenn die Schulmedizin versagt hat, etwa bei unheilbaren Erkrankungen wie Krebs oder Aids.