San Sebastián/Bilbao

Am 2. August 1968 um Viertel nach drei, da war Kepa elf, zerriss ein Schuss die Nachmittagsstille in einem Vorort der baskischen Grenzstadt Irún. Die Kugel streckte den wegen seiner Brutalität verhassten Polizeikommissar Melitón Manzanas nieder. Mit diesem ersten gezielten Todesschuss der radikalen Separatistenorganisation Eta, die neun Jahre zuvor von einer Hand voll Studenten der Theologie und der Rechte gegründet worden war, begann die Spirale der Gewalt im Baskenland.

Nicht dass man so etwas damals geahnt hätte. Die Erwachsenen in Kepas Heimatort Ondarroa jedenfalls konnten die Nachricht zunächst kaum glauben: Euskaldunak ez dabe iltzen, sagten sie kopfschüttelnd. Basken töten nicht!

Kepa Aulestia jedoch wurde bald in die Spirale hineingesogen. Der Sohn und Enkel von Nationalisten, die für ihre Überzeugungen im Gefängnis gelandet waren, schloss sich mit 17 dem politischen Arm der Eta an. Er organisierte zwei Jahre lang Debatten und Streiks, wurde verhaftet, verurteilt und 1977, da war Franco schon tot, amnestiert. "Gewalt habe ich keinem Menschen angetan", versichert Kepa. Er ist heute 43, ein ruhiger, höflicher Hüne.

"Aber ich bin mit verantwortlich für alles, was passiert ist." Allein bis 1977 hat die Eta (Euskadi ta Askartasuna, Baskenland und Freiheit) knapp 70 Menschen ermordet. "Dafür kämpfe ich nun seit 20 Jahren gegen die Gewalt."

Gewaltfrei, versteht sich: zunächst jahrelang als Abgeordneter, und heute als kluger, eloquenter Publizist.

Doch die Spirale dreht sich weiter, auch ohne Kepa Aulestia und die wenigen anderen, die wie er den Ausstieg schaffen. 32 Jahre nach dem Schuss von Irún und fast 800 Morde später ist der Eta-Terror grausam wie lange nicht.