Crash an den Weltbörsen? Finanzspekulanten außer Rand und Band? Eine auf den Abgrund zutreibende Weltwirtschaft? Da war doch mal was! 1997 stürzte Asien in eine schwere Krise, dann Russland und Brasilien. Nachdem die Sache für den Westen glimpflich ausging, schien alles im Lot. Wenn aber nun Weltbank und Internationaler Währungsfonds in Prag tagen, dann schaut die Welt wieder genauer hin. Die Furcht geht um: Der niedrige Euro und der hohe Ölpreis könnten den schönen Aufschwung kaputtmachen.

Die akute Gefahr ist gering. Die wichtigen Konjunkturpfeile zeigen gerade in Europa nach oben, die niedrige Gemeinschaftswährung hilft den Exporteuren, und von einer galoppierenden Geldentwertung sind wir weit entfernt: Das Wachstum mag sich abschwächen, wird aber nicht abbrechen.

Doch die aktuelle Reaktion auf steigende Ölpreise bestätigt das alte Verhaltensmuster: Erst wird eine Entwicklung ignoriert, dann rückt sie auf einmal ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Sobald der Trend sich jedoch nur ein wenig dreht, werden sich die Akteure an den Finanzmärkten wieder abwenden.

Baldiges Vergessen nach großer Aufregung - so werden Regierungen, Finanzhändler und Anleger die Weltwirtschaft immer wieder destabilisieren.

Und tatsächlich bedroht die Weltwirtschaft ein größerer Unruheherd als Euro und Öl.

Die Gefahr kommt aus Amerika. Die Vereinigten Staaten sind zwar der Motor der Weltwirtschaft, beziehen ihren Kraftstoff jedoch aus dem Ausland. Um rund 800 Milliarden Mark jährlich übersteigen ihre Einfuhren die Ausfuhren. Woher kommt aber das Geld dafür? Ebenfalls aus dem Ausland. Unter dem Strich wandert derzeit Jahr für Jahr eine Kapitalsumme ähnlicher Größenordnung in die USA. So viel war es noch nie, weder in absoluten Zahlen noch gemessen an der Wirtschaftsleistung der Vereinigten Staaten. Anders gesagt: Die Supermacht steht beim Rest der Welt mit einer gigantischen Summe in der Kreide, insgesamt mit über zwei Billionen Mark - und das ist immerhin eine Zwei mit zwölf Nullen.

All das wäre kein Problem, verharrten in Japan die Zinsen weiterhin am Nullpunkt und wüchse Europas Wirtschaft wie bisher weitaus langsamer als die amerikanische. Nur: Die Verhältnisse beginnen sich zu ändern. Die japanischen Leitzinsen liegen wieder leicht über null. Spät, aber nachhaltig hat Europa das Internet und die Biotechnologie entdeckt, der feste, hierarchische Aufbau der Wirtschaft lockert sich