Der junge Taxifahrer mit der Baseballmütze denkt nicht ans Protestieren.

Noch nicht. "Wenn schon die Kollegen in Frankreich streiken, wird der Benzinpreis nicht mehr steigen", sagt Wang Xidong - in einer Hand den Zapfhahn der Firma Sinopec, in der anderen den Tankdeckel seines roten Xiali-Kleinwagens.

Umgerechnet 86 Pfennig zahlt Wang in Peking für einen Liter Superbenzin. Kein Wunder, dass er die Ruhe bewahrt. Die chinesischen Autofahrer haben Glück.

Die Regierung hat die 30-prozentige Benzinsteuer, die zunächst für diesen Oktober geplant war, erst einmal aufgeschoben.

Die Vorsicht scheint angebracht. Zum ersten Mal erlebt China die negativen Folgen einer weltweiten Ölpreiserhöhung. In der Kuwait-Krise von 1990, als die Rohölpreise ebenfalls drastisch anzogen, zählte China noch zu den erdölexportierenden Ländern und profitierte vom Krisengeschehen. Seither hat sich die chinesische Energiebilanz drastisch gewendet. Im Jahr 1990 konnte die Volksrepublik noch Öl im Wert von 0,7 Prozent ihres Sozialproduktes exportieren, heute macht sich der Ölimport im Wert von 1,2 Prozent des Sozialproduktes negativ in der Handelsbilanz bemerkbar. Damit nähert sich der Grad chinesischer Ölabhängigkeit dem westlicher Industrieländer. Schon beläuft sich die chinesische Importrechnung für das schwarze Gold auf monatlich eine Milliarde US-Dollar.

Autos verdrängen die vielen Fahrräder in den Städten

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Immer mehr Chinesen fahren Auto, immer mehr Güter in China werden mit Lastwagen transportiert. Innerhalb von weniger als zehn Jahren haben Ströme von Blechkarossen den Fluss der Fahrräder aus Chinas Großstädten verdrängt. Jedes Jahr kommen Hunderte neuer Autobahnkilometer hinzu. Sinopec, Chinas zweitgrößter Ölkonzern, will in den nächsten zwei Jahren die Zahl seiner Tankstellen von heute 11 000 auf über 20 000 erhöhen.