Klaus-Dietmar Henke, der Direktor des Dresdner Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung, soll Ende Januar 2002 seinen Posten räumen. Der Rauswurf hat handfeste politische Hintergründe. Der konservativen Mehrheit im Institutskuratorium, die vom sächsischen CDU-Kultusminister Matthias Rößler angeführt wird, erscheint Henkes Umgang mit der DDR-Vergangenheit als zu lasch. Henke nämlich beruft sich auf einen "differenzierenden Totalitarismusbegriff" und sperrt sich gegen zu enge Vergleiche zwischen NS- und SED-Diktatur.

Hinter Henke haben sich der Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats, Hans Günter Hockerts, und der Fachbeirat des größten institutsinternen Forschungsprojekts geschart, dem unter anderen Saul Friedländer und Hans Mommsen angehören. In der Stellungnahme des Fachbeirats heißt es, Henke sei "ohne kompetente Evaluierung der wissenschaftlichen Arbeit des Instituts" geschasst worden. Man fürchtet, "dass die wissenschaftliche Unabhängigkeit vordergründigen politischen Interessen geopfert werden soll". Tatsächlich ist Totalitarismusforschung im politikfernen Raum nicht vorstellbar. In ihr werden immer auch Kämpfe um geschichtspolitische Deutungsmacht ausgetragen.

Von links wird die Totalitarismusforschung verdächtigt, der Verharmlosung des Nationalsozialismus zu dienen. Von rechts wird sie instrumentalisiert, um die NS-Herrschaft einem allgemeinen "Nihilismus" des 20. Jahrhunderts zuzuschlagen

woraus folgen soll, dass die Überwindung totalitärer Vergangenheit nur durch die Wiederherstellung gesunder nationaler Werte möglich sei.

Wer da nicht mitzieht, hat bei der rechtskonservativen Fronde schlechte Karten. Kritik an ihren Thesen wehrt sie gern als Angriff linksliberaler Gesinnungskontrolleure auf die "Wissenschaftsfreiheit" ab. Sie selbst ist jedoch nicht zimperlich, wenn es um den Einsatz ihres administrativen Einflusses gegen störende Kontrahenten geht.

Eine Totalitarismusforschung, die ihren Namen verdient, spielt Antinazismus und Antikommunismus nicht gegeneinander aus. Sie darf ressentimentgeleiteten Restauratoren nicht das Feld überlassen. Der Streit um die Beschaffenheit der totalitären deutschen Diktaturen muss aus dem Halbdunkel institutspolitischer Ranküne heraustreten. Einrichtungen wie das Hannah-Arendt-Institut sollten Foren öffentlicher Auseinandersetzung über diese, für die ganze Gesellschaft bedeutsame Frage sein.