Was Sitcoms betrifft, ist Deutschland Entwicklungsland. Wahrscheinlich brauchen Witztraditionen Jahrzehnte, um zu reifen und Früchte zu tragen, die wirklich gut sind. Was hatte das ältere deutsche Fernsehen denn schon außer Ekel Alfred und Otto? Man war zu sehr darum besorgt, den öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrag zu erfüllen, um komische Talente zu pflegen. Bis die Privaten kamen. Und die gaben sich erst mal mit Importen zufrieden. Aber immerhin, die Golden Girls und die Schrecklich nette Familie kitzelten den Ehrgeiz der Hiesigen. Man kaute am Bleistift. Nach allerlei Fehlstarts und gelungenen Coups wie Salto postale und Nicola gibt es jetzt Rita.

Nicht dass gar nichts anderes im Fernsehen je lustig gewesen wäre. Aber Comedy, Kabarett und Nonsens dürfen nicht mit Sitcoms verwechselt werden. Die gemischten Comedy-Formen steuern meist nur auf eine einzige Pointe zu und springen schauplatz- und kontextmäßig hin und her - ganz nach der Monty-Python-Devise: "And now for something completely different." Die Sitcom ist an einen Ort gebannt. Sie verlangt wiederkehrende Gesichter und Konstellationen. Sie lebt von der Wiedererkennbarkeit und der Wiederholung und ist insofern unfrei. Das macht sie so schwer beherrschbar, und das ist wohl auch ein Grund dafür, dass der Erfolg hierzulande so lange ausblieb.

Rita ist jetzt mit der zweiten Staffel am Start - und sie hat Qualitäten.

Leider musste zum Auftakt die Hauptfigur, gespielt von Gaby Köster, die handlungstreibende Aktion an ihre Freundin Gisi und ihren Gatten Horst abtreten - keine gute Idee für eine erste Folge, die ja die Fangemeinde wieder sammeln und einschwören soll. Aber hoffen wir für die Zukunft auf Großtaten der unverwüstlichen Kassiererin, die im Herzen unseres Alltags, im Supermarkt, ihre Klappe aufreißt und nölige Kunden, drückebergerische Kollegen und blasierte Filialleiter das Fürchten lehrt. In der ersten Staffel boten die meisten Folgen eine furiose Steigerung: Zu Beginn gab es im gut sortierten Selbstbedienungsladen lediglich ein paar harmlose Missverständnisse zwischen Rita, ihrem Boss und dem einen oder anderen Einkaufswagenschieber - bis am Ende die Regale umgestürzt, der Boss wahnsinnig, Rita auf der Flucht und die Feuerwehr im Anmarsch waren ...

Eine gute Sitcom ist ein so rares Kunststück, weil die Autoren ihre Figuren zugleich heiß lieben und schrecklich bloßstellen müssen. In Amerika geht das leichter, weil die Menschen dort zugleich bigott und schamlos sind. Hier sind sie weder das eine noch das andere, sondern bloß mürrisch. Das ist zwar komisch, aber nicht dramatisch.