Zu Herbstbeginn fallen, wenn man Pflanzenkundlern und Aktienstrategen trauen darf, Blätter und Börsenkurse. Im Reich der Flora kann man sich darauf verlassen, dass es im nächsten Frühling wieder grünt und blüht. An der Börse ist das nicht unbedingt so. Das gilt besonders für die Aktien von Unternehmen aus fernen Regionen, deren Geschäftsmodell eigentlich niemand so recht versteht - zum Beispiel asiatische Internet-Werte.

Selbst risikobereite Privatanleger wagen solche Direktanlagen selten. Wenn sie wegen der angeblich sagenhaften Gewinne in diesem Wirtschaftszweig ein paar Euro setzen möchten, vertrauen sie lieber den Profis - etwa den Experten der Hamburger Nordinvest, die im Januar 2000 den Aktienfonds nordasia.com auflegte. Da waren asiatische Werte gerade mega-in. Ein anderer Internet-Fonds dieser Gesellschaft hatte gerade eine gute Wertentwicklung hingelegt. Deshalb waren viele, die den Aktienboom der "traditionellen" Netzwirtschaft verpasst zu haben glaubten, gerne bereit, den Hamburgern ihr Erspartes zu überlassen.

Die Nordinvest warb für den nordasia.com mit dem Slogan, er sei eine ideale Ergänzung zu seinem Pendant für europäische und US-Werte. Tatsächlich ergänzten sich beide Produkte prächtig: Was die Anleger mit dem einen Fonds verdient hatten, ließen die Geldverwalter in Asien wieder in Rauch aufgehen.

Und das war nicht wenig, denn man sammelte bereits in den ersten Monaten einige Milliarden ein.

Angeschmiert waren diejenigen, die auf den nordasia.com gesetzt hatten.

Pünktlich zum Frühlingsanfang nahm der Preis der Fondsanteile den Herbst vorweg und bewegte sich beständig abwärts, was seit März zu einer Halbierung des Kurses führte. Diese professionelle Geldvernichtung mag für die Anleger unerfreulich sein, für die Nordinvest war das Ganze ein gutes Geschäft. Wenn man vom Fondsvermögen Ende Juli (2 Milliarden Euro) ausgeht, zahlten die Kunden Ausgabeaufschläge von circa 100 Millionen Euro. Dazu kommt eine jährliche Verwaltungsgebühr von mehr als 20 Millionen Euro, die auch nicht zu verachten ist.

Den enttäuschten Anlegern bleibt nur, aus diesem Debakel die richtige Lehre zu ziehen: Man muss nicht unbedingt auf jede Sau wetten, die von den Börsianern gerade durchs Dorf getrieben wird. Auf dem Parkett wechseln die Stimmungen schneller als die Jahreszeiten, und ehe man sich versieht, hat man sich mit einem trendigen Fonds einen Megaverlierer ins Depot geholt. Es ist sicherer, sein Vermögen langfristig über verschiedene Branchen und Regionen zu verteilen. So wird man zwar nicht gleich zum Millionär, läuft aber auch weniger Gefahr, über Nacht das Geld für den Urlaub im nächsten Sommer zu verlieren. Und der kommt im Gegensatz zur erhofften positiven Wertentwicklung exotischer Fonds mit Sicherheit.