Online-Banking ist Kult. Immer mehr Anleger kaufen Wertpapiere - und andere Bankdienstleistungen - per Mausklick. Kein Wunder also, dass die Aktien der virtuellen Bankhäuser Comdirectbank, Consors, Direkt Anlage Bank und Entrium zu den Lieblingen der Börsianer gehören. Ihre Zukunft ist allerdings umstritten. Anleger und Analysten schwanken zwischen Visionen und Ängsten.

Noch unterscheiden sich die Geschäftsschwerpunkte der einzelnen Online-Banken deutlich: Während Consors sich auf Wertpapiere konzentriert, dominiert bei Entrium (früher Quellebank) das Einlagengeschäft. Alle weiten aber ihre Produktpalette aus, um das Geschäftsrisiko abzufedern und die Kunden immer tiefer in ihre virtuellen Netze einzuspinnen. Am schnellsten wächst das Geschäft mit Aktien, weil die Online-Banken zugleich Discount-Broker sind, bei denen man wesentlich billiger Aktien kaufen und verkaufen kann als bei den traditionellen Instituten. Die virtuellen Banken sind vor allem das Mekka der Daytrader und anderer umsatzfreudiger Anleger. Die nutzen das blitzschnelle und bequeme Direktbanking, um rasch am Aktienmarkt ein- oder aussteigen zu können, zunehmend auch per Handy.

Die virtuellen Finanzhäuser müssten letztlich als lupenreine Internet-Firmen bewertet werden, die langfristig vom Wachstum des weltweiten Netzes profitieren, folgern Experten. Gleichzeitig surften die Online-Banken auf dem Aktienboom, der in Deutschland vom großen Nachholbedarf in der Vermögensbildung genährt wird. Die Branchenführer Comdirect und Consors seien dank ihrer Stärke zudem in der Lage, durch Zukäufe in den Nachbarländern zusätzliche lukrative Märkte zu erschließen.

Einigen Analysten ist die Euphorie zu groß. Die Anleger sollten über den Teich schauen, warnen sie. Die Aktien der amerikanischen Online-Banken sind 1999 nach einem kräftigen Höhenflug unter die Räder geraten. E-Trade beispielsweise, der Internet-Broker schlechthin, kostet heute nur noch ein Drittel des Höchststandes vom vergangenen Jahr. In den USA ist die Schlacht um den Internet-Kunden voll entbrannt. Die Discount-Banken bekämpfen sich mit Dumping-Gebühren. Gleichzeitig rücken ihnen die Giganten des Investmentgeschäfts wie Morgan Stanley oder Merrill Lynch mit eigenen preisgünstigen Online-Angeboten zu Leibe.

Auch hierzulande nimmt die Schlacht um die Surfer härtere Formen an. Entrium kämpft mit niedrigen Tarifen, die Postbank bläst zur Attacke, und auch die Sparkassen rüsten für den Einstieg in das viel versprechende Cyber-Banking.

Der wachsene Wettbewerb verdirbt nicht nur die Einnahmen. Er lässt gleichzeitig den Preis eines Neukunden explodieren, nämlich die dafür aufgewandten Marketingkosten. Da die umsatzfreudigen Anleger aber bereits im Netz der Online-Banken hängen, kommen jetzt Kunden, die viel geringere Umsätze bringen. Die BHF-Bank befürchtet zudem, dass die Umsatzzuwächse der vergangenen Monate durch Sondereinflüsse hochgepuscht wurden: "Großvolumige Neuemissionen (Infineon

T-Online) dienten als quasi kostenfreie Werbung für das Online-Brokerage." Deshalb hätten die deutschen Online-Broker das beste Quartal schon hinter sich.