Politiker preisen sie als Ei des Kolumbus: die Entfernungspauschale. Mit ihr sollen die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz steuerlich begünstigt werden - und zwar unabhängig vom jeweils genutzten Verkehrsmittel.

Eine spürbare Erhöhung der so genannten Kilometerpauschale, die bisher vor allem Autofahrern zugute kommt, und deren Umwandlung in eine generelle Entfernungspauschale würden - so das Kalkül - nicht nur den Zorn in der Bevölkerung über die hohen Spritpreise besänftigen. Zugleich würde auch mit der Bevorzugung des Autos gegenüber Bahn und Bus Schluss gemacht.

Zwar könnte die rot-grüne Koalition damit vielleicht auf die Schnelle Wähler beschwichtigen, aber in der langfristigen Wirkung wäre die angebliche Patentlösung ein großer Schritt in die falsche Richtung. Denn richtig an der Argumentation ist nur, dass die relative Wettbewerbsposition der öffentlichen Verkehrsmittel gegenüber dem Auto verbessert wird. Das aber zu einem hohen Preis. Denn schon bisher können Benutzer von Bahn und Bus ihre Fahrkarten für den Arbeitsweg in voller Höhe steuerlich absetzen (sofern ihre Werbungskosten die Arbeitnehmerpauschale von 2000 Mark im Jahr überschreiten).

Es darf doch aber nicht das Ziel einer steuerlichen Regelung sein, dass ein Arbeitnehmer höhere Ausgaben beim Finanzamt geltend machen kann, als er tatsächlich hat. Und die Subvention würde umso höher, je größer die Distanz wird - eine wahnwitzige Idee. Schon die bisherige Kilometerpauschale hat dazu geführt, dass die Bereitschaft, weit entfernt vom Arbeitsplatz zu wohnen, und die Zersiedelung der Landschaft deutlich zugenommen haben.

Warum muss der Staat überhaupt die Fahrtkosten von Bürgern subventionieren, die sich im Grünen über billige Mieten oder niedrige Immobilienpreise freuen?

Mit gleichem Recht könnten Stadtbewohner mit kurzen Wegen zur Arbeit einen staatlichen Zuschuss zu ihrer höheren Miete verlangen.

Es ist doch die Entscheidung jedes Einzelnen, ob er fern vom Arbeitsplatz in ländlicher Idylle wohnt oder in der Stadt. Der Staat hat bei dieser Entscheidung nichts zu suchen. Die Milliarden, die er jährlich dafür aufwendet, wären in einer stärkeren Senkung der Steuersätze besser angelegt.