Nick Parker hat sein Büro im schönen schottischen Edinburgh, aber dort ist er immer seltener anzutreffen. Immer öfter reist er über den Kanal. "Ganz Europa ist zurzeit mächtig an unserer Arbeit interessiert", sagt er, "besonders die deutsche Regierung hat ein reges Interesse gezeigt. Das wird ein sehr, sehr interessanter Markt."

Parker arbeitet bei der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) und ist dort Europachef für Private Finanzierungsinitiativen (PFI). So heißt eine neue Art der Zusammenarbeit zwischen Staat und Privatwirtschaft, mit der die Briten schon seit Beginn der neunziger Jahre experimentieren und aus Parkers Sicht auch "durchweg positive Erfahrungen" sammeln.

Traditionell war es so, dass der Staat bei einer geplanten Investition eine Einkaufsliste zusammenstellte (also zum Beispiel eine neue Kläranlage und kilometerweise Rohre), sich dafür das Geld besorgte und das Projekt unter Unternehmen ausschrieb. Doch PFI dreht die Sache um.

"In der Idealform eines PFI-Projekts ist der Staat gar nicht mehr der Bauherr oder Betreiber einer Anlage", erläutert der PFI-Finanzierungsberater bei einer großen Londoner Investmentbank. "Der Staat kauft nur noch die Dienstleistung 'geklärtes Wasser' oder 'beleuchtete Straßen' ein. Wozu braucht eine Kommune auch ein eigenes Klärwerk - oder gar eine Abteilung, die Glühbirnen in die Straßenlaternen dreht? Diese Dinge müssen nur funktionieren."

Die Befürworter der Privatinitiativen sind davon überzeugt, dass diese Konstruktion eine Menge Vorteile für beide Seiten bringt. Ein Unternehmer könne nämlich im Zweifelsfall härter mit den Laternen- oder Klärwerkezulieferern verhandeln. Er werde sich auch mächtig anstrengen, sparsamere Glühbirnen ausfindig zu machen oder sauberes Wasser mit weniger Kosten zu liefern - denn zunächst ist die Ersparnis sein Gewinn. Umgekehrt trägt er das Risiko, wenn er zum Beispiel eine Anlage zu aufwändig geplant hat und nicht auslasten kann. Oder wenn unerwartet die Kosten explodieren.

Der Staat zahlt keinen Pfennig, wenn das Wasser nicht geklärt wird oder die Straße dunkel bleibt - so die Theorie.

Eine Task-Force koordiniert die größten Projekte