Fünfzehn ausgewiesene Experten sollen für das Berliner Umweltministerium ein ewiges Problem lösen: Der Arbeitskreis Auswahlverfahren Endlagerstandorte, kurz AKEnd, will bis zum Jahr 2002 ein "nachvollziehbares und gerechtes Verfahren" für die Standortauswahl eines Atommüll-Endlagers entwickeln. Neben naturwissenschaftlich-technischen Kriterien stehen dabei auch "gesellschaftliche Gesichtspunkte" im Vordergrund.

Endlich, möchte man sagen.

Das Umweltministerium setzt auf Dialog und hat daher gleichermaßen Befürworter und Gegner der Kerntechnik in das Gremium berufen. Dennoch sind die Aussichten gering, dass der Endlagerstreit gütlich beigelegt wird. Denn die großen Umweltverbände wollen partout nicht mit ins Boot. Greenpeace lehnte es am vergangenen Wochenende ab, beim ersten öffentlichen Workshop des AKEnd mitzuwirken. Ein Vertreter des Bundes für Umwelt und Naturschutz BUND stand immerhin auf der Rednerliste. Doch nur, um zu verkünden, sein Verband sei nicht bereit, die Atompolitik der Bundesregierung und deren AKEnd zu unterstützen. Ähnlich denken der Naturschutzbund Nabu und die Bürgerinitiativen.

Feindbilder lassen sich eben nicht so schnell verändern wie Regierungsprogramme. Obwohl Bundesregierung, Atomgegner und viele Naturschützer im Gleichklang den Ausstieg aus der Kernenergie proklamieren, fehlt es an Harmonie. Die Verbände und Initiativen befürchten, von Jürgen Trittin vereinnahmt zu werden.

Tatsächlich begibt sich in Gefahr, wer mitreden will. Denn jede Form von Kompromiss bedeutet Verluste an Mitgliedern, Spenden und Macht. Da den Umweltschützern ohnehin der Zeitgeist entgegenbläst, sind Ängste vor Spaltung und Untergang durchaus berechtigt. Und Zweifel am Verfahren sind ohnehin angebracht. Bislang nämlich ist vollkommen offen, wie verbindlich die Ratschläge des Gremiums sind. Was passiert nach einem Regierungswechsel? Neue Fragen, neue Arbeitskreise, neue Vorschläge?

Rein technisch betrachtet, ist weitgehend klar: Der Salzstock von Gorleben und Schacht Konrad sind mögliche Endlagerstätten für radioaktiven Müll. Ideal sind beide nicht. Doch bessere wird auch der AKEnd in Deutschland nicht finden. Weil es kein ideales Endlager gibt und jede neue Standortnennung neue lokale Proteste hervorrufen wird. Die Suche nach dem Lager ist und bleibt also eine unendliche Geschichte. Nur die Halbwertszeit des strahlenden Mülls währt noch ein bisschen länger.