Darf ein Embryo Mittel zum Zweck sein? US-Mediziner melden jetzt eine Premiere, die heftige Diskussionen auslösen wird: Der Arzt Mark Hughes hat Embryonen im Reagenzglas erzeugt und sie mithilfe der Präimplantationsdiagnostik (PID) auf erbliche Immunschwäche getestet. Dabei wird dem Embryo eine Zelle entnommen und sein Erbgut analysiert. Lässt sich kein Erbschaden nachweisen, wird der Embryo in die Gebärmutter übertragen. So weit ist die Praxis im Labor nicht ungewöhnlich. Doch Mark Hughes hat - auf Drängen der Eltern und mit Genehmigung der Ethikkommission seiner Klinik - außerdem per Gentest einen Embryo selektiert und übertragen, der passendes Knochenmark für ein todkrankes Geschwisterkind liefern soll. Dieses Kind leidet bereits an der ererbten Immunschwäche und wird nur überleben, wenn es dereinst Knochenmark von dem noch nicht geborenen Baby erhält.

Mark Hughes ist einer der Pioniere der PID. Mit der Selektion hat er sich erneut auf ein umstrittenes Gebiet vorgewagt. Fragen, die lange Zeit in akademischen Zirkeln von Ethikern diskutiert wurden, haben plötzlich praktische Relevanz. Darf man ein Ungeborenes auf seinen medizinischen Nutzen als Organspender selektieren, bevor es überhaupt im Mutterleib heranwachsen konnte? Wird damit ein Mensch zum Ersatzteillager? Anders herum gefragt: Darf man ein krankes Kind sterben lassen, obwohl man es retten könnte?

die zeit: Mister Hughes, wissen Sie eigentlich, dass Ihre Arbeit in Deutschland verrufen ist?

Mark Hughes: Ach ja? Weil ich Gentests an Embryonen durchführe?

zeit: Genau. Das ist nicht erlaubt.

Hughes: Darf ich auch etwas fragen? Dürfen deutsche Frauen abtreiben, wenn der Fötus schwerkrank ist?

zeit: Natürlich.