Decaf , das ist entkoffeinierter Kaffee, und »Just say no« lautet der Slogan der staatlich gesponsorten Anti-Drogen-Kampagne. Sie ist durch und durch verlogen. Denn wird nicht allenthalben dafür Propaganda gemacht, zu psychoaktiven Substanzen Ja zu sagen? Ob Viagra oder sogenannte Energiedrinks, Prozac oder kalter Kaffee in Dosen (eines Tages werden sie noch Spülwasser verkaufen), stets wird sinngemäß damit geworben, daß das Zeug Flügel verleiht. In Deutschland nicht minder. Apfelkorn verhilft zu guter Laune, mit Pils fühlt sich der Trinker wie ein König, und wenn er sich dazu eine bestimmte Lulle ansteckt, ist er ein Cowboy. Proteinnahrung macht stark, Johanniskraut zufrieden, Kaffee wieder wach. Champagner erzeugt festliche Stimmung, Cola erfrischt, Aspirin vertreibt den Kopfschmerz.

Und so, wie »Just say no« pure Heuchelei ist, ist es auch die deutsche Kampagne "Keine Macht den Drogen". Was für ein Slogan in einem Land, dessen Staat am Rauchen verdient und den Tabakanbau subventioniert (indirekt, über die EU)! Es gibt sogar eine Bundesanstalt, die das sogenannte Branntweinmonopol verwaltet: eine unübersehbare Subventionsmaschine, die der Herstellung von Industrie- und Konsumsprit Steuergeld hinterherwirft.

Dies ist kein Plädoyer für das Verbot von Drogen wie Alkohol und Tabak - es ist nicht Sache des Staates, mir vorzuschreiben, wie ich mit meinem Körper umgehe. Aber wir sollten die Augen nicht vor der Alltäglichkeit des Drogengenusses verschließen. Und nicht davor, daß die legalen Drogenkartelle, etwa die der Zigarettenindustrie, mehr politische Macht haben als die kolumbianische Narcoguerilla.

Ihr Gero von Randow


Der Autor ist stellvertretender Leiter des Ressorts Politik, genießt das Leben und berichtet an dieser Stelle regelmäßig davon. Anregungen und Kritik gerne an randow@zeit.de