Man findet ihn leicht: Suchen Sie einfach die Halle mit der längsten Schlange davor. Früher war hier das Sydney Indoor Sports Centre untergebracht; heute gilt hier nicht mehr das olympische Motto "citius, altius, fortius", sondern "shop until you drop". Schon am frühen Vormittag stehen Athleten, Zuschauer, Funktionäre in durch zahllose Eisengitter gewundenen Reihe an und heischen um Einlass. Bis man drin ist, kann es bis zu zwei Stunden dauern. Dann steht man erstmal an den Tischen, an denen man seine Taschen, Rucksäcke, Tüten in einem großen Leinensack verstauen muss. Der wird dann mit einer Plastikschlinge fest verschlossen - die berechtigte Angst vor Ladendieben hat den Betreibern diese Tütenidee eingegeben.

Drinnen gibt es so ziemlich alles, worauf man olympische Ringe, Sydney-Symbole oder das Wort "Australien" drucken oder sonstwie applizieren kann. Neben dem Erwartbaren, T-Shirts, Mützen, Badehosen, Bettwäsche, Jacken, Krawatten, Uhren, Tassen, Taschen, Plüschkoalas, Känguruhs und seidener Unterwäsche, stapelt sich hier auch manche Überraschung: Golfbälle (Seit wann ist Golf olympisch? Das wünscht sich doch außer Tiger Woods wirklich niemand), Ferngläser (sitzt man in den tollen, neuen Stadien etwa so weit weg vom Geschehen, dass man eine Sehhilfe braucht?) und ein 5000-Teile-Puzzle. Aber das hat man vielleicht extra für die deutschen Sportler ins Programm genommen, denen beim stundenlangen Puzzeln vielleicht der ein oder andere Grund dafür einfallen wird, warum sie bei diesen Spielen bislang ziemlich baden gegangen ist. Das Puzzle steht am Mittelgang des Superstores auf der linken Seite, Franzi!

Keine Angst, der Besuch im Laden ist viel weniger verwerflich als ein Flirt mit den australischen Schwimmstars, der van Almsick hier unterstellt wurde. In den Regalen geht es politisch korrekt zu, und eine kleine Lektion in Kulturgeschichte gibt es auch, freilich nicht ganz umsonst. Aber der Reihe nach.

Nicht nur der perfekte Modellathlet wird hier gefeiert, auch wenn an den Wänden Australiens schönste und erfolgreichste Körper prangen, die von Cathy Freeman oder dem Schwimmer Michael Klim. Der hat den Körperbau von Ken, dem Freund von Barbie, aber es gibt eben auch Barbie-Puppen im Rollstuhl zu kaufen. Schließlich beginnen gleich nach den Olympischen Spielen die Paralympics.

Die Kulturgeschichte steuert die Firma Wedgwood bei, die ein paar Porzellanteller im Stil antiker griechischer Vasenmalerei aufgelegt hat. Für 175 Aussie-Dollars lernt man hier, wie alles vor Tausenden von Jahren im Gymnasium von Olympia, Griechenland, begann. Wer Angst hat, dass das teure Porzellan im Flieger platt gemacht wird, kann sich ja einen Zinnbecher mit ähnlichen Motiven kaufen.

Absoluter Hit allerdings sind aus völlig unverständlichen Gründen die Pins, Anstecknadeln aller Art. Aber es soll ja auch Leute geben, die Kellerasseln sammeln oder Hausstaub. "Ich weiß auch nicht, was an den Dingern dran ist", sagt Jenny Tallon, die im Superstore als Verkäuferin arbeitet. "Insbesondere die Amerikaner kaufen sie gleich partienweise. Vielleicht hoffen sie darauf, mit den limitierten Auflagen später mal Gewinn machen zu können. "Insgesamt sind an allen offiziellen Verkaufsstellen in Sydney rund 8,5 Millionen Ansteckdinger verhökert worden.

Verkaufsschlager bei den Kindern sind neben den Kängurus mit roten Boxhandschuhen, einer wirklichen Landplage, die drei olympischen Maskottchen Olly, Syd und Millie (für alle, deren Gehirn so van-Almsick-artig zeitlupenhaft arbeitet wie meins: Olly hat seinen Namen von Olympia, Syd von Sydney und Millie vom Millennium). Jenny erteilt mir auch noch eine kleine Nachhilfestunde in Zoologie, denn ich hielt das Millie-Biest mit seiner goldblonden Mähne zunächst für eine Thomas-Gottschalk-Persiflage. Den kennt man hier aber ebenso wenig wie Howard Carpendale, und in Wahrheit ist Millie weiblich und ein australischer "Echidna", so eine Art Ameisenbär, der auf seinem Rücken so tut, als sei er ein Stachelschwein. Das ist bei den Mädchen offenbar sehr beliebt.