Gute Nachricht mit etwas Beigeschmack: Haider & Co. kneifen vor dem von ihnen angestrengten Prozess ("üble Nachrede") gegen André Heller (ZEIT Nr. 38/00). Das von der Sammelklage provozierte Spektakel - über 30 internationale Fernsehanstalten hatten sich für den ersten Verhandlungstag am kommenden Dienstag angemeldet - machte ihnen Angst. Gut so. Zu bedauern ist aber, dass damit der von Heller angedrohte Wahrheitsbeweis für die "Niedertracht" der Kläger und andere Schmähungen ausfällt.

Die Beleidigten, die ihre notorisch schutzbedürftige Ehre nun in diesem besonderen Fall nicht mehr vor Gericht verteidigen mögen - also Haider, die Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer, der schon im Bericht der Drei Weisen kritisch gewürdigte Justizminister und langjährige FPÖ-Anwalt Dieter Böhmdorfer sowie FPÖ-Fraktionschef Peter Westenthaler, Haiders schärfster Scharfmacher -, erklärten ihre Flucht vor Heller mit trotzigem Hochmut: Sie hätten ihm nicht die Bühne bieten wollen, die er gesucht habe (und sonst nicht mehr finde). Deshalb zogen sie vermutlich auch die Klagen gegen die Zeitungen zurück, die Hellers inkriminierte Passagen im Wortlaut wiedergegeben hatten. Sonst wäre gar noch an einer Nebenfront die Hauptsache - die Charakterfrage - erörtert worden. (Alle anderen Verfahren gehen weiter.)

Angesichts dieser veränderten Lage kommen wir nun umso leichter dem ursprünglich etwas tückisch anmutenden Begehren des Sprechers von Dieter Böhmdorfer nach, Hellers Beleidigungen im Wortlaut zu zitieren. Bitte sehr! Folgendes hatte der Künstler in einem offenen Brief geschrieben: "Man kann von den Haiders, Böhmdorfers, Westenthalers, Riess-Passers, ... und wie diese seelenhygienisch heruntergekommenen Politemporkömmlinge und sonstigen Bierzeltanimateure heißen mögen, nicht die geringste Einsicht in ihre eigene Peinlichkeit, Niedertracht und häufige Absurdität verlangen." Was zu beweisen gewesen wäre.