Mit prüfendem Blick sitzt sie vor dem Fernseher in ihrem Hotelzimmer in Havanna. Gerade hält Fidel Castro eine seiner überlangen Ansprachen. Er ist traurig. Aber er will nicht aufgeben, sagt die Frau vor dem Fernseher über den kubanischen Staatschef. Die Augen, die hängen ja. He needs plastic surgery. Mensch ... Ja, die Stimme ist auch langsam. Maybe he needs a Viagra.

Der Mann, über den sich die Frau in ihrem norddeutsch-amerikanischen Idiom so entschieden äußert - dieser Mann ist die Liebe ihres Lebens. Fidel Castro hat mein Leben versaut, sagt sie, aber es war so schön.

Die Leidenschaft entflammte 1959 an Deck des Kreuzfahrtschiffes Berlin, und sie lodert noch immer. Jedenfalls im Herzen Marita Lorenz', der gebürtigen Bremerin mit Wohnsitz New York. 61 Jahre alt ist sie heute.

Gleich nachdem die Berlin, ein stolzes Schiff des Norddeutschen Lloyd, im kubanischen Hoheitsgebiet Anker geworfen hatte, lernte sie Fidel Castro kennen. Damals war sie 19, und ihre Gefühle für ihn waren so überschwänglich wie der Siegestaumel der Revolutionäre. Er hat meine Hand gehalten unterm Tisch. Ich hab Angst gehabt, dass Papa das sieht. Er war anders

er war lieb.

Er guckt sehr stark in die Augen. Und er war hübsch, interessant, exciting.

Er hatte mich auch gern gehabt. Ich wusste das. Dann hat er gesagt: Alemañita ma, meine kleine Deutsche. And I said: mi cubano barburito, mein bärtiger Kubaner.