Toralf Staud: "Unerträglich", ZEIT Nr. 38.

Journalisten dürfen schon einmal locker dies und jenes behaupten. Die Behauptung aber, Steffen Heitmann habe den Rechtsstaat nicht begriffen, ist ungeheuerlich. Das Gegenteil hat er schon durch seine maßgebliche Mitarbeit an der sächsischen Verfassung bewiesen. Ich kenne Herrn Heitmann seit etwa 25 Jahren, seit der Zeit also, als er noch als Pfarrer in der Absolventenarbeit (Akademikerarbeit) tätig war. Als er dann die kircheneigene Juristenausbildung durchlief, verhalfen ihm seine meist betagten Lehrer, an die besten deutschen Rechtstraditionen anzuknüpfen. Damals verschlang er zum Beispiel geradezu Wieackers Privatrechtsgeschichte der Neuzeit, ein Buch, das für den durchschnittlichen westlichen Juristen jenseits seines Horizontes und viel zu anspruchsvoll ist. Aus seinem ungewöhnlichen Bildungsweg erwuchs Heitmann eine Aufgeschlossenheit gerade auch für das Anliegen des Rechtsstaates, die heute selten ist. Sollte er Amtsgeschäfte und Parteibelange vermengt haben, wäre dies zu beanstanden und gegebenenfalls zu ahnden - aber in welcher Partei geschieht dies nicht laufend? Noch scheint da nichts bewiesen zu sein. Hieraus auf mangelndes Begreifen des Rechtsstaats zu schließen, geht jedenfalls entschieden zu weit. Oder sollen konservative Ansichten per se rechtsstaatswidrig sein?

Dr. Peter von Tiling Isernhagen