Seit es sie gibt, werden Hochschulrankings immer wieder heftig kritisiert - oft von Hochschulen, die in diesen Vergleichen schlecht abschneiden. Neu ist jedoch die Argumentation von Christine Brinck (ZEIT Nr. 40/00), dass Hochschulrankings in Deutschland nicht "funktionieren" können, weil im deutschen Hochschulwesen kein Wettbewerb herrsche und Unterschiede nicht auszumachen seien. Dem muss klar widersprochen werden.

Den Mangel an Wettbewerb führt die Autorin vor allem darauf zurück, dass die Hochschulen nicht die Möglichkeit haben, sich ihre Studenten selbst auszusuchen. Das ist richtig - und höchst beklagenswert. Bereits 1995 haben der sächsische Wissenschaftsminister Hans Joachim Meyer und ich zusammen mit anderen eine Neuregelung des Hochschulzugangs gefordert.

Aber dass die Hochschulen sich bislang nicht die besten Studienanfänger aussuchen können, kann doch nicht bedeuten, dass diese ihrerseits nicht die Möglichkeit erhalten sollten, sich die für sie beste Hochschule auszusuchen. Das erfordert Transparenz der Leistungen und Qualität der Hochschulen. Hierzu liefern die deutschen Rankings und besonders der Studienführer vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) und stern einen wichtigen Beitrag. Dass die Abiturienten sich danach richten, zeigt eine Studie der Universität-Gesamthochschule Kassel sehr deutlich: Im Semester nach Veröffentlichung der Ranglisten steigen stets die Bewer-berzahlen an den Hochschulen mit guten Rankingpositionen.

In den USA gibt es Kritik am eigenen Rankingsystem

Auch die zunehmenden Marketingaktivitäten der Hochschulen lassen erkennen, dass sie durchaus direkt um Studenten konkurrieren. Nicht zuletzt die Unterauslastung in den Ingenieurstudiengängen und in den naturwissenschaftlichen Fächern hat ein verändertes Bewusstsein geschaffen. Auf Plakaten und Internet-Seiten werben Hochschulen nunmehr mit ihrem guten Abschneiden in Rankings. Aus den Reaktionen auf das Ranking von CHE und stern wissen wir, dass die Fachbereiche, vor allem aber die Hochschulleitungen, ein schlechtes Abschneiden im Ranking vielfach zum Anlass nehmen, Veränderungen anzugehen und auf Qualitätssicherung zu achten. Davon, dass Hochschulrankings in Deutschland keine Wirkungen zeigen, kann also nicht die Rede sein.

Entsprechend dem "Rückstand" des deutschen Hochschulsystems hinter dem der USA, sieht die Autorin auch das Hochschulranking von CHE und stern den amerikanischen Ansätzen unterlegen. Ihre Einschätzung, die neue Ausgabe des führenden amerikanischen Rankings von U. S. News & World Report sei "noch ausgefeilter und nachvollziehbarer geworden als je zuvor", wird zumindest in den USA keineswegs geteilt. Berechtigte Kritik richtet sich gerade gegen Elemente, in denen Christine Brinck einen Vorsprung gegenüber den deutschen Rankings sieht. Dass das CHE keine ganzen Hochschulen, sondern nur Fächer vergleicht, ist nicht Rückzug, sondern Programm. Die undifferenzierte Bewertung ganzer Hochschulen mittels einer einzigen prägnanten Zahl mag die Auflage steigern helfen, den Unterschieden in der Leistungsfähigkeit einzelner Fächer an einer Hochschule wird sie aber nicht gerecht. Für den langjährigen Präsidenten der Stanford University, Gerhard Casper, ist das einer der zentralen Einwände gegen das U. S. News-Ranking überhaupt.

Brinck geht davon aus, dass ohne Wettbewerb auch keine Unterschiede zwischen den Anbietern entstehen könnten. Sie folgt damit einem lange gepflegten Mythos, der den Wettbewerb schwächt: Die deutschen Hochschulen seien qualitativ alle gleich. Die Realität sieht jedoch völlig anders aus. Und gerade das CHE/stern-Ranking macht die Unterschiede deutlich. So differieren beispielsweise die eingeworbenen Drittmittel für die Forschung je Wissenschaftler zwischen den Universitäten Stuttgart und Kiel im Maschinenbau um den Faktor 13. In der Betriebswirtschaftslehre brauchen Studenten an der Universität mit der längsten Studiendauer (Universität Dortmund) im Mittel fast sechs Semester länger als an der Hochschule mit der kürzesten Studienzeit (WHU Vallendar). Auch im Urteil der Studenten schneiden die Hochschulen in einzelnen Fächern sehr unterschiedlich ab. So liegt die TU Dresden in der Mathematik in der Spitzengruppe, in Jura jedoch in der Schlussgruppe. Und während die Karlsruher Informatikstudenten sich mit dem Studium an ihrer Hochschule sehr zufrieden zeigen, zählt die gleiche Hochschule in der Mathematik zu den Universitäten mit den unzufriedensten Studenten. Welchem Abiturienten sollte mit der Information geholfen sein, die Studenten in Karlsruhe seien mit dem Studium an ihrer Universität durchschnittlich zufrieden, die unweigerlich zustande käme, würde man ganze Hochschulen vergleichen?