Es ist heiß, wir schreiben das Jahr 1840, und ich befinde mich in einem Fort irgendwo an der Küste Westafrikas. Ich bin eine von Tausenden schwarzen Sklaven, die von weißen Händlern und ihren Helfershelfern zusammengetrieben wurden, um sie nach Amerika zu verkaufen. Eine schreckliche Situation, in die ich mich in meiner Traum-Zeitreise begeben habe: Mitten ins schreckliche Elend, in furchtbare Ungerechtigkeit, wo Menschen wie Vieh verkauft werden, und das auch noch an Amerikaner, die ja vor wenigen Jahren Menschenrechte und Würde in ihre Verfassung übernommen haben.

Ich weiß, dass die Sklaverei im Bürgerkrieg abgeschafft wurde, aber werden wir, die wir jetzt auf die Verschiffung nach Amerika warten, das noch erleben? Im Unterschied zu den Frauen und Männern um mich herum kann ich aus meinem Traum aufwachen und wieder zurück. Jederzeit. Das beruhigt. Aber Angst und Elend spüren wir alle. Mir hat man die Nummer 1943 eingebrannt: mein Geburtsjahr. Das Schiff legt ab. Wir landen im Hafen von New Orleans.

Die Auktion ist schrecklich. Auf einem Wagen werden wir präsentiert, man prüft Gebiss und Muskeln. Wir sind über hundert schwarze Frauen. Als einer der Käufer verächtlich sagt: Die sind zu schwach, wir wollen keine Gespenster, kommt es beinahe zu einem Streit. Der Händler wird immer wütender. Plötzlich schreit er: 1943, runter mit dir. Ich werde hinuntergezogen. Der Mann, der mich kauft, kommt mir bekannt vor. Er ist hager, spricht einen Dialekt eher aus dem Norden. Ich habe ihn schon gesehen ... Seine Frau begleitet ihn, ich soll offensichtlich im Haus helfen.

Als sie ihn Abraham ruft, ist mir klar: Das ist Abe Lincoln. Erstaunlich, der hatte doch keine Sklaven?

Wir fahren den Mississippi hinauf. Mit dem Raddampfer. Als Lincoln mich - höflich - anweist, seinen Anzug auszubürsten, hätte ich ihn beinahe mit Mr.

President angeredet. Ob dieser Mann, der ja die Sklaverei beenden wird, nicht weiß, was Sklaven angetan wird? Will er es nicht wissen?

Meine Herrschaft hat viele Gäste, natürlich Weiße, und sie diskutieren viel über Politik und Gerechtigkeit. Ich höre Lincoln sagen, er wolle seine Sklaven freilassen. Seine Nachbarn finden diese Auffassung wohl skurril, denn sie lachen verächtlich. Ich begleite ihn bei auswärtigen Gerichtsterminen, um dafür zu sorgen, dass er unterwegs zu essen hat und ordentlich aussieht, wenn er vor Gericht auftritt. Seiner Frau sind diese Reisen zu kalt und zu beschwerlich. Lincoln wäre auch heute ein guter Anwalt. Er redet überzeugend, setzt sich für seine Mandanten ein.