In der Nacht vor dem großen Tag schläft Uli Hoeneß unruhig. Um halb vier wacht er auf, macht Licht, greift sich die Zettel, fliegt über den Text. Er streicht Wörter, er fügt neue hinzu, er muss abwägen. Die Rede, die er achteinhalb Stunden später halten wird, halten muss, ist die wichtigste im Leben des Fußballmanagers. Tags zuvor, eben vom Golfurlaub in Marbella, Spanien, zurückgekehrt, hat er sich präpariert, dreizehneinviertel Stunden lang, von 7.45 bis 21.30 Uhr, in Raum 113 der Geschäftsstelle an der Säbener Straße, den Pressesprecher des FC Bayern München immer an seiner Seite. Auf dem Tisch Zeitungskopien, Ausrisse, Agenturmeldungen, das ganze Material dieser leidigen Affäre.

Uli Hoeneß muss abwägen. Dieses Mal wird er nicht frei sprechen, entgegen seiner Gewohnheit, dieses Mal soll ihn niemand falsch verstehen können. Er denkt an die Briefe, die Faxe, die E-Mails, an ihn gerichtet, an den FC Bayern, neun von zehn voller Wut.

Dienstag, 10. Oktober. 11.38 Uhr, Arabella Sheraton Hotel, München-Bogenhausen. Vor dem Saal Sydney dämpft dicker blauer Teppich die Schritte des versammelten deutschen Sportjournalismus. Ein kleines Buffet ist aufgebaut vor edelhölzernen Wandverkleidungen, heiße Tortillas, Lachs-Canapés, süße und salzige Croissants, Kaffee, Wasser, Saft. Es soll allen gut gehen, alle sollen ein Häppchen haben vor dem großen Fressen und Gefressenwerden, für das einer wie Uli Hoeneß immer gut ist.

"Geht meine Uhr nach?", fragt ein Fotograf, "um Punkt zwölf sollte er kommen." Punkt zwölf. Uli Hoeneß kommt zu spät. Fünf nach zwölf. Angespannt.

Schwarzer Anzug, hellgraue Krawatte. Anwalt in eigener Sache. Tag des Gerichts. Das Deutsche Sportfernsehen berichtet live.

Es geht um Macht, Ehre, Geld - und auch um Fußball

"Wer heute gekommen ist, um das Platzen einer Bombe zu erleben, der wird enttäuscht werden", sagt Hoeneß. Er verliest eine Chronologie der Ereignisse, seine Chronologie, die belegen soll, dass er nicht Täter, sondern Opfer sei.