Tel Aviv

Donnerstag, der 12. Oktober

"Solange man mich nicht zum Reservedienst ruft", sagt ein Freund morgens am Telefon, "nehme ich die Dinge gelassen." Es sei doch nicht das erste Mal, dass es zum Konflikt komme. Alles schon einmal gehabt. Außerdem fühle er sich in Tel Aviv wie auf einer Insel der Seligen, weitab von der Schusslinie.

11 Uhr: Die Nachrichten melden den Lynchmord an zwei israelischen Soldaten in Ramallah. 14.52 Uhr: Kampfhubschrauber greifen mit Raketen palästinensische Ziele an.

Der Anruf der Armee erreicht den Freund am Abend: Am Sonntag muss er sich bei seiner Einheit einfinden, für mindestens einen Tag, vielleicht auch für länger. Der Konflikt im Nahen Osten hat Tel Aviv erreicht.

Im Supermarkt auf der Ben-Yehuda-Straße, der die ganze Nacht geöffnet ist, geht es leiser zu als sonst. Zumindest kommt es einem so vor. Ein arabischer Angestellter - kommt er aus den Palästinensergebieten oder aus Israel? -

macht sich so unsichtbar wie möglich