Schleimigtropfendklebrignass. Eklig, unbeschreibbar, schon gar nicht malbar, sollte man meinen, der Rotz. Und das ist falsch: Passend zur Jahreszeit erscheint ein Bilderbuch, das den personifizierten Glibber enthält. Die Form: nasig. Konsistenz: formbar. Laune: bestens. Ein rotziger Popel, der auf der Lauer liegt, gelb schillernd vor giftigem Vergnügen, weil er ahnt, was kommt. Ein Opfer!

Das Opfer trägt blaues Tuch, Metallbrillengestell und Glatze, erkennbar ein Herr Jedermann. Aber ohne Hut! Im Regen! Der Rotz liegt, in der Ecke einer Haustreppe, "auf dass er sich ein Opfer fasse", dichtet Christian Morgenstern in seinem herrlichen Sechszeilergedicht. Der Rotz springt, das Opfer zuckt.

Da war doch was. Was das wohl war? Selbst für eine solche Frage scheint Jedermann zu blöd. Immerhin hat dem Mann jemand rechtzeitig ein Taschentuch zugesteckt, vermutlich Mama, und das kann er jetzt brauchen: Haaatschi!

Es ist ein Kinderbuch ohne Kuschelecke. No wellness zone! Drinnen im Bett, draußen im Regen, bleibt sich alles gleich. Zähneklapperatmosphäre, sie ist in kaltem Blau gehalten, fein schraffierte Düsternis. Jedes Haus hat fröstelnd die Schultern hochgezogen. Die Mauern blähen sich, wenn das Opfer vom Donner geschüttelt wird, sie schmelzen mitleidig, wenn der Fließeffekt das Opfer in Brei verwandelt. Der Typ liegt unterm Plumeau, panische Rottupfer auf der Haut. Jetzt das Grinsen des Rotzes bewundern! Junge, Junge, möchte man sagen, lieber Zeichner Norman Junge, das hat Klasse. Falls jemand vermutet, es sei ein einfach lustiges Buch, verdient selber einen saftigen Banalinfekt. Und die Kasse übernimmt nichts!

* Norman Junge/ Christian Morgenstern: Der Schnupfen Aufbau Verlag, Berlin 2000 20 S., 29,90 DM