Das Leben ist Essen und Trinken. Sehen wir es mal so mit Lukian von Samosata, dem alten Griechen, den Bernhard Wördehoff zum Hors-d'oeuvre seines in der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft erschienenen delikaten Büchleins zitiert: "Ich meines Orts kenne im ganzen Leben nichts Nützlicheres als Essen und Trinken, da ohne beydes vom Leben nicht einmal die Rede wäre." Es ist natürlich die Rede. Vom Leben. Vom Essen und Trinken. Seit 1800 Jahren und länger. In aller Herren Ländern und Büchern. Bernhard Wördehoff ist über den Tellerrand der Weltliteratur spaziert und hat die Düfte aus Töpfen und Pfannen erschnuppert, die ganze Bibliotheken durchwehen, von den gesegneten Mahlzeiten der Bibel als Kochbuch bis zu Günter Grass' Literatengespräch beim Essen in Telgte.

Eine Recherche mit Löffel und Gabel im globalen Sortiment, verblüffend ergiebig, angerichtet sozusagen mit schnalzender Zunge unter dem ironischen Hexameter des Homer-Übersetzers Johann Heinrich Voß: "Sage mir, Muse, vom Schmause ..." Da weiß man doch gleich, es kommt Kraft in den Teller, Bildung auf den Tisch. Hier hat ein belesener Leckerzahn ("Leckertähn, mokst ok gröne Seep?" habe die Großmutter, eine professionelle Köchin von hohen Graden, einst den schon damals nicht kostverachtenden Enkel geneckt, verrät uns der Autor im Nachwortkapitel und lüftet damit auch ein wenig das Geheimnis seiner Kompetenz), "Leckertähn" also hat sich und allen lesenden Mitessern ein Vergnügen daraus gemacht, beispielhaft zu dokumentieren, wie die Freuden der Tafel zu allen Zeiten den Federn der Poeten Schwung verli ehen. Das ist in jeder Hinsicht, auch in der grafischen Gestalt, appetitlich zubereitet, amüsant, zum Nachschlagen anregend, bei aller gebotenen gewürzten Kürze erstaunlich umfassend. Ja, auch Nahrungsaufnahme als physiologischer Vorgang bleibt nicht ausgespart. 200 leckere Seiten. Wohl bekomm's!

* Bernhard Wördehoff: "Sage mir, Muse, vom Schmause ..."

Vom Essen und Trinken in der Weltliteratur Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2000 208 S., 49,90 DM