Als Mitte der neunziger Jahre die neue deutsche Filmkomödie zum Erfolgsmodell aufgeschäumt wurde, kam Detlev Buck gerade mit Wir können auch anders ins Kino. Der Film wurde der Welle zugeschlagen, natürlich auch wegen seines fast programmatischen Titels - obwohl der knorrige, norddeutsche Low-Life-Witz nur wenig gemein hatte mit dem High-Life-Humor von Lustspielen aus dem städtischen Jungbürgertum wie Abgeschminkt,Stadtgespräch oder Der bewegte Mann. Buck ließ sich eingemeinden. Jedenfalls sahen seine folgenden Filme so aus, als wollten sie partout mit der schnittigen metropolitanen Munterkeit der damaligen Komödienkonfektion konkurrieren. Liebe Deine Nächste brachte vor zwei Jahren an ein bitteres Ende, was zuvor schon mit Männerpension begonnen hatte. Nun war nichts mehr übrig von Bucks Originalität, seinem überragenden Gespür für provinzielle Verschrobenheiten aller Art. Ein Regisseur hatte das eigene Werk zu Tode frisiert.

Jetzt ist Buck zurück aufs Land gegangen, ins Hochsauerland, in einen Ort mit gleichmäßiger Fachwerkbebauung und einem entsprechenden Biedersinn. Aus der Großstadt hat er ein blondes Gift mitgebracht. Das stiftet Unruhe unter den oberen Fünf des Ortes und sät Eifersucht unter ihren Frauen. LiebesLuder ist ein Stück Rückbesinnung und zugleich ein kleiner Neuanfang. Im Sauerland geht es gemächlicher zu als in Berlin, das zuletzt für Liebe Deine Nächste zu Sodom und Gomorrha aufgedonnert wurde. Gleich atmet es sich freier, und Buck gewinnt etwas Platz für seine alte Stärke. Es läuft, wenn es hakt. Wenn Worte in der Luft stehen bleiben oder sich selbst im Munde umdrehen, weil jemand Angst vor der eigenen Courage hat; wenn Gesten irgendwie am Körper verenden, linkisch statt lässig; wenn die Charaktere herumrudern zwischen versuchtem und versagendem Muckertum. Das Buck-Biotop kann eigentlich nur aufblühen, solange die Atmosphäre von einer gewissen Trägheit gezeichnet ist und die Figuren herumlümmeln dürfen in gepflegter Peinlichkeit. Die rasante Screwballkomödie, von der Detlev Buck immer mal wieder zu träumen scheint, wird ihm deshalb womöglich nie gelingen - es sei denn als Screwball in Trance.

LiebesLuder ist ein Schritt in die richtige Richtung, steht aber auf wackligen Beinen. Ein paar Darsteller scheinen wie geschaffen für Bucks lässliches Landleben, Matthias Matschke und Bruno Cathomas zum Beispiel, vor allem jedoch Detlev Buck selbst (der vielleicht sein ganzes Kino nach dem eigenen Naturell als Schauspieler ausrichten sollte). Aber die Regie findet keinen rechten Rhythmus, Kameramann Slawomir Idziak greift viel zu tief in die Farbfilterkiste, und irgendwann gerät auch die Geschichte überhaupt auf die schiefe Bahn. Die blonde Ina (Mavie Hörbiger) hat sich ein paar Männer ins Bett gezogen, um sie anschließend zu erpressen. Die betrogenen Betrüger schlagen allerdings zurück. Insbesondere der Banker Nase (Pierre Besson) will sich nicht den Traum vom trauten Glück mit seiner herzallerliebsten Braut (Anke Engelke) kaputtmachen lassen. Es gibt Tote, das verschärft den Ton des Films. Plötzlich soll die Kleinstadtkomödie eine gewisse kritische Abgründigkeit mitbekommen: gegen die Fassade der Wohlanständigkeit, für die der Spießer bereit ist, über Leichen zu gehen. Eine Prise Chabrol, wenn man so will. Das geht zu weit - oder nicht weit genug. Buck scheint auf dem Weg von einer Sackgasse in die nächste zu sein, auf dem Weg von der haltlosen Spaßigkeit in den halbgaren Ernst. Er sollte den Weg nicht weitergehen. Er sollte stehen bleiben, am besten im Nirgendwo, in aller Ruhe abwarten und kommen lassen. Dann kann er auch wieder anders.