Die angebliche Regel lautet: Steht das Pferd auf allen vieren, ist der Reiter unverletzt aus der Schlacht hervorgegangen. Bei einem erhobenen Bein ist er verwundet worden, bei zwei Beinen im Kampf gefallen.

Abgesehen davon, dass die Künstler die Statik von Pferden, die nur auf zwei Beinen stehen, noch gar nicht so lange beherrschen, welchen Sinn sollte ein solcher "Geheimcode" unter Bildhauern haben? Der Bielefelder Historiker Reinhart Koselleck, ein Experte für Reiterstandbilder der jüngeren Geschichte, verweist darauf, dass es vor dem 19. Jahrhundert nicht üblich war, Könige oder Feldherren sterbend in Skulpturen abzubilden - von daher wäre es vielleicht plausibel, dass der Künstler durch ein solches Zeichen auf den heldenhaften Tod des Abgebildeten hingewiesen hätte. Aber gehört hat er von einer solchen Regel noch nie. Und was nützt ein Code, wenn nicht einmal die Fachleute ihn verstehen?

Aber kommen wir zur praktischen Überprüfung der Behauptung: Die konnte ich mir sparen, weil Kollege Cecil Adams, berühmter Legendenwiderleger beim Chicago Reader, schon einmal eine globale Stichprobe von 18 Reiterstandbildern von Feldherren wie Napoleon und Washington untersucht hat. Sein Ergebnis: Achtmal stimmte die Fußstellung des Pferdes mit der Regel überein, achtmal nicht (bei zwei Generälen hatte er nicht genügend Informationen). Also kann die Frage guten Gewissens mit "Stimmt nicht" beantwortet werden. Christoph Drösser
 

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de . Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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