AldiFrankreich macht auf seiner Internet-Seite unter "Ausbildung und Karriere" keinen Hehl daraus, von seinen Mitarbeitern "große Disponibilität" zu fordern. Zu den "Prinzipien" des Discounters aus Deutschland zählt ferner "eine perfekte Arbeitsorganisation". Anders gesagt: Aldi drückt die Personalkosten. Im Stammland ging das Rezept glänzend auf. Schließlich häuften die Brüder Albrecht über die Jahre das sechstgrößte Vermögen der Welt an.

Doch in Frankreich haben sie ihre Rechnung ohne die Gewerkschafter gemacht.

Diese rebellieren derzeit im ganzen Land gegen die "unsozialen Arbeitsbedingungen". In der kommenden Woche muss sich der erfolgreiche Discounter vor dem Arbeitsgericht in Limoges dafür verantworten, einem Filialleiter keine Überstunden gezahlt zu haben.

"Per Vertrag verpflichten sich Aldi-Mitarbeiter, pauschal 42 Stunden pro Woche zu arbeiten", erklärt CFDT-Gewerkschafterin Dominique Bertaud, "aber es sind wesentlich mehr. Aufschreiben darf man die tatsächlich gearbeiteten Stunden aber nicht. Aldi meint, die Überstunden sind schon mit den übertariflichen Gehältern abgegolten."

"Ich komme auf 60 Stunden pro Woche", schimpft Philippe Frankhauser. So geht es den meisten Filialleitern. In der Regel arbeiten nur zwei Personen in bis zu 700 Quadratmeter großen Märkten. Ein- und auspacken, kassieren, abrechnen, wischen und freundlich sein - ein harter Job. "Aldi beschäftigt kaum ältere Menschen", hat HBV-Gewerkschafter Jürgen Teske auch für Deutschland festgestellt, "denn die Belastung ist enorm." Ein Reporter des Fernsehsenders M6 fand heraus, dass einer von fünf Aldi-Beschäftigten in Frankreich pro Jahr gefeuert wird. Zudem bleibe kaum jemand länger als fünf Jahre bei Aldi.

Ganz im Stile der deutschen Aldi-Kommunikationspolitik will auch Pascal Vigier, Finanzdirektor von Aldi-Frankreich, zu diesen Vorwürfen keine Stellung nehmen. Aldi drängt wie die deutschen Discountkonkurrenten Norma und Lidl derzeit mit Macht auf den französischen Markt. Hier hat der weltweit zweitgrößte Einzelhandelsriese Carrefour das Sagen. Nur wer die Preise drückt, hat eine Chance. Das geht nur mit rigidem Sparen. So verzichtet Aldi, wie lange Zeit auch in Deutschland, auf Scanner an der Kasse. Dafür müssen die Kassierer bis zu 800 Codes auswendig lernen und per Hand eintippen. "Das ist nur möglich, weil das Produktsortiment, nach dem sich die Codes richten, relativ gering ist", erklärt HBV-Mann Teske.

Gespart wird in fünf von insgesamt 60 Aldi-Geschäften im Pariser Umland auch an Kühlräumen. Zwar sind diese nicht gesetzlich vorgeschrieben. Die Händler sind aber per Hygienegesetz dazu verpflichtet, ihre Ware auf Temperatur zu halten. Diese darf bei Tiefkühlkost maximal um drei Grad schwanken. Gegen diese Vorschrift werde jedoch regelmäßig im Sommer verstoßen, sagt Geschäftsführer Alain Terrier.